Chronik von Wendemark

Bundesrepublik Deutschland,

Land Brandenburg,

Landkreis Uckermark.






Lied
Nach der Melodie, wo die Nordseewellen.....
Mein Wendemark
von Willi Lebrenz aufgeschrieben 2001 im 75. Lebensjahr


Wo das Randowwasser plätschert an den Rand,
wo die Randow, Grenzfluss war zum Pommernland,
wo ganz hoch im Norden in der Uckermark,
hinterm Berg verborgen liegt mein Wendemark.

Wo die Welse schlängelt sich zur Oder hin,
wo die Eisenbahn verbindet Berlin - Stettin.
Wo auf grünen Wiesen Schaf und Rinder ziehn,
da ist meine Heimat, da gehör ich hin.

Wo am Wege längst die hohen Linden stehn,
wo ich mit der Liebsten konnt’ spazieren gehen.
Wo uns Berge schützen vor dem Sturmgebraus,
da leb ich mein Leben, da bin ich zu Haus.

Wenn mein Licht erloschen, legt mich in ein Grab,
in die Wendemarker Erde, die ich gerne mag.
Nur im Friedhofsgrunde möcht’ ich begraben sein,
wo die Vögel singen beim ersten Sonnenschein.





Vorwort

Nun, da meine Vergangenheit schon länger ist, als meine Zukunft sein wird, habe ich mir im Jahr 2001 vorgenommen, die Wendemarker Geschichte aufzuschreiben, damit wir Wendemarker im Laufe der Zeit nicht vergessen werden.
Der Lehrer Hermann Buchin hat 1939 begonnen eine Ortschronik zu erstellen.
Seine Worte in der Ortschronik: „ Mögen sich nach mir Leute finden, die bereit sind dieses Werk weiterzuführen und es eventuell durch neuentdeckte Quellen zu vervollständigen“ sprachen mich an.
Im Heimatmuseum Angermünde fand ich auch eine Schulchronik der Wendemarker Schule.
Frau Bärbel Bantin, die letzte Lehrerin an der Wendemarker Schule, hatte diese Chronik auf dem Dachboden der Wendemarker Schule gefunden und dem Heimatmuseum Angermünde übergeben.
Die Lehrer der Wendemarker Schule haben die Schulchronik erstellt und handschriftlich in deutscher Schrift (Sütterlinschrift) geschrieben.
Diese Schrift wurde bis ca. 1941 gelehrt. Ich begann die Orts- und die Schulchronik abzuschreiben. Da heute nur noch die Rentnergeneration diese Schrift gut lesen kann, benötigte ich zuerst einen „Schriftdeuter“.
Mein Vater, Willi Lebrenz, stand mir dafür zur Verfügung.
Hocherfreut war ich auch, als ich durch die Recherchen zu unserer Geschichte erfuhr, dass 1872 in Wendemark Otto Rostoski als Sohn des damaligen Pächters der Königlichen Domäne, geboren wurde. Seine Familie lebte von 1870 bis 1879 in Wendemark. Weil sein Vater bankrott machte, zog die Familie nach Gramzow.
Dieser Wendemarker Knabe widmete sein ganzes Leben der Geschwulst- und Diabetesforschung. Seine Hauptwirkungsstätte war Dresden. Hier starb Professor Dr. med. habil. Otto Rostoski 1962.
Seine unveröffentlichte Biografie habe ich erhalten und war erstaunt, wie ausführlich und anschaulich er das Leben seiner Familie in Wendemark in dieser Zeit beschreibt.

Mit dieser Abschrift der Orts- und Schulchronik kann sich jeder, der sich für die Geschichte unseres Ortes interessiert, vertraut machen.
Alle, die dieses Heft lesen und dann der Meinung sind, dass es gut wäre, wenn man die Wendemarker Geschichte weiter aufarbeitet und aufschreibt, bitte ich um Mithilfe.
Ich würde mich sehr freuen, wenn Sie mir Ihr Wissen übermitteln und mir lustige und traurige Geschichten, die für unsere Nachkommen wissenswert sind, aufschreiben oder erzählen.
Fotos, die das Leben in Wendemark dokumentieren, werden immer benötigt.

Ich danke auch all denen, die mir bisher geholfen haben.

Bärbel Würfel




Chronik
von Wendemark



Der Ort Wendemark war bis zum Jahr 1932 eine staatliche Domäne mit stets wechselnder Arbeiterbevölkerung.
Er hat darum gar keine Tradition. Die älteste Familie sind die Neuendorfs. Der Vater von Paul Neuendorf kam 1882 nach hier, dann folgte 1885 der Vater von Max Hein. Die anderen Einwohner, mit Ausnahme der ehemaligen Gutsarbeiter, sind alle erst 1932 oder später zugezogen.
Es fehlte noch ganz die Verbindung zwischen Blut und Boden. Um so mehr ist es zu begrüßen, dass jetzt für jeden Ort eine Chronik angelegt werden soll, die den lebenden und nachfolgenden Generationen Kunde von der Entstehung und dem Werden ihres Ortes geben soll. Mit Freuden komme ich deshalb dem Wunsch des Bürgermeisters Wehnert nach, alle noch aufzufindenden Nachrichten über Wendemark im Folgenden aufzuzeichnen.
Mögen sich nach mir Leute finden, die bereit sind dieses Werk weiterzuführen und es eventuell durch neuentdeckte Quellen zu vervollständigen.
Der Name Wendemark könnte zu der Ansicht verführen, dass sich hier die Wenden besonders lange gehalten hätten.
Dem ist aber nicht so. Auf dem Wendemarker Boden ist bisher keine einzige wendische Scherbe gefunden worden. (s. S. 3*)
Es ist die Gegend an der Mark (Grenze), wo man wenden muss, weil dort kein Weg weiter führt, denn die Randow war damals ein unpassierbarer Sumpf.
Der Name rührt wohl von der geographischen Lage her.
Der Name wird als die sogenannte Wendemarke zuerst im Kloster Gramzow vom Jahre 1592 genannt.
Es ist damit der Streifen Land am Randowbruch gemeint, der von den Briester Bauern gegen gewisse Kornpächte bewirtschaftet wurde. Ein Ort ist dort in geschichtlicher Zeit nicht gewesen, nicht einmal ein Gehöft.
Man neigte früher zu der Ansicht, Wendemark wäre im 30-jährigen Krieg zerstört und nicht wieder aufgebaut worden.
Anlass zu dieser Ansicht gab eine Notiz im Briester Kirchenbuch, die besagt, Wendemark wäre 1730 wieder aufgebaut worden.
Das ist ein Irrtum, denn 1592 war ja schon kein Ort vorhanden.
Meine Ansicht, die wohl viel für sich hat, ist diese: Der Landstrich, die sogenannte Wendemarke, war während der Zeit, in der die Wenden in unserer Gegend wohnten (ca. 600 – 1200 n. Chr.), nicht bebaut und dadurch zu Wald geworden, der seine Fortsetzung in der Zichower Heide fand, die früher bis an die Briester Grenze reichte. Dieser Wald kam durch Schenkung in den Besitz des Klosters Gramzow. Später wurde der Wald gerodet und an die Briester verpachtet. Für einen selbstständigen Ort war das Land zu klein. Nach einer Karte von 1719 hatte er nur 671 Morgen Ackerland. An der Briester Grenze fehlte ein ganzer Streifen.
Am jetzigen Bahnhof Passow gehörte fast alles Land westlich und ein Stück östlich der Chaussee zu Briest. Zu den damaligen Bauerngehöften gehörten durchschnittlich 2 – 3 Hufen, also 120 – 240 Morgen Land. Es hätten hier also nur 6 – 7 Bauern wohnen können. Aus all dem ist wohl mit Sicherheit zu schließen, dass die eigentliche Geschichte Wendemarks erst mit dem Jahre 1730 beginnt, als König Friedrich Wilhelm I. von Preußen hier ein Domänenvorwerk erbauen ließ.
Können wir auch in geschichtlicher Zeit vor 1730 keine Bevölkerung nachweisen, so ist doch in der vorgeschichtlichen Zeit unser Ort wohl dauernd besiedelt gewesen.
Ich selbst habe an vielen Stellen solche Siedlungen feststellen können. Die älteste Siedlung hat an und auf der Kiesgrube bei Neumann Nr. 1 gestanden. An der Nordseite der Kiesgrube kann man noch heute eine steinzeitliche Wohngrube erkennen.
Deutlich hebt sich die schwarze Kulturschicht der Grube ab, die mit Feuersteinsplittern bedeckt ist. Es war jedenfalls die Werkstätte eines Indogermanen, der hier vor ungefähr 4000 Jahren Feuersteinwaffen für sich und vielleicht auch für andere herstellte. Zahlreiche Knochen als Abfälle seiner Mahlzeiten sind ebenfalls dort zu finden.
Scherben und fertige Waffen sind bisher dort noch nicht gefunden worden.
Eine andere steinzeitliche Wohngrube befindet sich in dem Abhang der großen Sandgrube bei Siedlung Nr. 9. In ihrer Nähe sind 1897 beim Abfahren des Sandes, anlässlich der Besandung der Moorkulturen, 4 Urnen gefunden worden. Sie gehören zum Kulturkreis der Oderschnurkeramik. Sie wurden lange Zeit von Amtsrat Schreyer im Gutshause aufbewahrt. 1930 wurden sie vom Vorgeschichtlichen Museum Berlin als Ausstellungsstücke erworben. In der Nähe der Wohngrube deckte der Arbeitsdienst dann 1932 ein Hockergrab auf. Das Skelett lag mit angehockten Beinen auf der rechten Seite. Die Hände lagen in typischer Schlafstellung unter dem Kopf. Das Skelett zeigte mit dem Kopf nach Osten und dem Steiß nach Westen. Das Gesicht sah nach Norden. Der Schädel war ein wundervoller nordischer Langschädel. Das Skelett war ohne Steinschutz beigesetzt und hatte leider keinerlei Beigaben, die eine genaue Altersbestimmung ermöglicht hätten.
Auf der besandeten Kultur wurde von dem Inspektor Hofmann eine zersprungene durchlochte Steinaxt gefunden.
Ich selbst fand auf den Höhen beim Kirchhof ein Bruchstück eines schmalnackigen Feuersteinbeiles, das typisch für das indogermanische Kulturgebiet ist. Auf dem sogenannten Krähenberg fand ich steinzeitliche Topfscherben. Auch dort wird ein Gehöft gestanden haben. Auf dem Unterland an der Bahn wurde 1932 eine steinzeitliche Handmühle ausgepflügt. Leider wurde sie zerschlagen und zu Pflastersteinen verarbeitet. Sie teilte hiermit das Schicksal all der Hünengräber an denen unsere Gegend früher reich war. Nach einem Bericht von 1845 existierten bis vor kurzer Zeit noch mehrere. Sie waren gerade beseitigt worden, weil sie beim Ackern hinderten. Auch auf dem Backofenberg, den der Besitzer jetzt zur Hälfte abgetragen hat, soll eins gestanden haben.
In der nachfolgenden Bronzezeit ist für Wendemark ein zusammenhängendes Dorf nachzuweisen. Beim Legen von Pumpenröhren fanden am 22.04.1929 die Elektromonteure Hermann Buchin und Georg Neuendorf im Vorgarten der Schule eine Spirale aus goldenem Doppeldraht mit 4 Windungen. Der Durchmesser beträgt 1,5 cm, das Gewicht etwas unter 6 g, die Masse ist Gold von sehr hohem Feingehalt. Der Ring, ein sogenannter Lockenring stammt aus der 5. Periode der Bronzezeit um 1000 v. Chr..
Eine ganze Menge Topfscherben und Knochenabfälle wurde ebenfalls dort gefunden. Solche Topfscherben wurden überall in den Gärten westlich der früheren Arbeiterhäuser gefunden. Beim Bau des Silos bei Stelle 32 wurden auch welche gefunden. Es glückte mir, sie zu 3 verschiedenen Töpfen zusammenzusetzen. Es ist ein sonderbarer Zufall, dass man 1730 das geschichtliche Wendemark fast auf der Stelle des ehemaligen Bronzedorfes aufgebaut hat.
Auch für die nachfolgende Eisenzeit haben wir Beweise, dass unser Ort zu der Zeit besiedelt war. Auf der steinzeitlichen Wohngrube bei Nr. 1 stand eine Steinkiste. Sie steht jetzt im Schulvorgarten auf der Fundstelle des goldenen Ringes. Sie war das Grab eines Germanen. In ihrem Inneren fanden sich leider nur noch einige Knochenreste vom Schädel. Man hatte dem Toten keinerlei Gaben mit ins Grab gegeben. Beim Scheunenerweiterungsbau wurden von dem Siedler Gustav Neumann, der durch das Finden der Steinkiste auf seinem Gelände für Vorgeschichte interessiert worden war, verschiedene Topfscherben gefunden. Sie stammen aus der Eisenzeit, und hier hat das germanische Gehöft gestanden, das jedenfalls zu dem Grab gehört. Auch hier der Zufall, dass man die Siedlung Nr. 1 genau auf dieser Stelle errichtete, wo vor 1500 Jahren bereits ein Germane sein Gehöft erbaute.
Während der Völkerwanderung um 400 n. Chr.. verließen die hier wohnenden Germanen, die Burgunden, unsere Gegend und wanderten nach dem Westen. Unsere Gegend blieb lange unbewohnt. Zaghaft wanderten die Wenden in den leeren Raum ein, ohne ihn jemals so dicht wie die Germanen zu füllen. Im benachbarten Passow war ein wendisches Dorf, der Ort wird noch heute als die „alte Dorfstelle“ bezeichnet. Ihr gegenüber auf der anderen Seite der jetzigen Straße lag im Sumpf ihre Fliehburg, durch einen festen Wall gestützt. Später baute sich ein deutscher Ritter dort ein festes Haus. Es ist der sogenannte Burgwall. An beiden Stellen findet man reichlich wendische Scherben und zersprungene Herdsteine.
Für Wendemark ist keine wendische Besiedlung nachgewiesen.* Sie ist auch sehr unwahrscheinlich, da die Wenden wegen ihrer schlechten Ackerbaukunst viel Land gebrauchten und deshalb sehr weit auseinander siedelten.
Gegen 1200 war das Land durch Kriege und Sklavenhandel fast leer geworden.
Nun kamen die deutschen Ansiedler und nahmen wieder Besitz von dem urdeutschen Land.

* Ich berichtige: 1936 pflügte Heßler seine Koppel um. Dabei wurden an der alten Welse in der Nähe des Stellwerkes wendische Scherben ausgepflügt. Leider wurden sie durch die Kinder des Heßlers, die in Angermünde zur Schule gingen, in der Angermünder Schule abgegeben.

Durch den 1939 ausgebrochenen Weltkrieg wurde die Fortführung der Chronik unterbrochen und erst jetzt, im Jahre 1959, komme ich dazu, die Arbeit fortzuführen.
Im Frieden zu Stockholm 1720 trat Schweden Vorpommern bis zur Peene mit den Inseln Usedom und Wollin an Preußen ab. Nun begann die erste Melioration des Randowbruches. Es wurde der sogenannte Grenzgraben, jetzt Randow genannt, gezogen, parallel dazu der Mittelgraben und der Wiesengraben, ein Graben, der heute verschwunden ist. Er verlief zwischen dem Unterland und der besandeten Kultur. Er ist bei der Anlage der Kulturbeete zugeschüttet worden. Trotzdem geistert er immer noch auf den Karten herum und ist im Jahr 1958 auf der neuen Schulkarte des Kreises Angermünde als noch vorhanden eingezeichnet worden.
1730 waren diese Arbeiten beendet, und nun wurde der Ort Wendemark als Domänevorwerk aufgebaut.
Die Randowwiesen waren zum größten Teil mit Erlen (Elsen) bewachsen. Die höher gelegenen Stellen wurden als Wiesen genutzt. 1945 hatte ich der Schule 2 Karten von Wendemark hinterlassen. Das waren Photokopien aus dem geheimen Staatsarchiv Dahlem, die mir Herr Pastor Bartelt geschenkt hatte. Die eine war im Jahre 1719 gezeichnet und stellte Wendemark vor der Melioration dar, die andere war 1742 hergestellt und zeigte die Grenzen und Baulichkeiten nach der Gründung. Leider sind beide Karten durch die Unachtsamkeit meiner Nachfolger verloren gegangen.
Wenn ich mich auf mein Gedächtnis verlassen kann, waren an Gebäuden vorhanden:
Das Verwalterhaus, 1 Scheune, 1 Kuhstall und 1 Schafstall, dazu 2 Tagelöhnerhäuser. Das Verwalterhaus stand hinter den beiden Linden vor dem jetzigen ehemaligen Gutshaus.
Als die Viehwaage 1927 gebaut wurde, stieß man dabei auf seine Fundamente.
Das Höhenland war in 3 Schläge eingeteilt: Winterschlag, Sommerschlag und Brachschlag. Die Bearbeitung des Bodens und die Einbringung der Ernte geschah durch die leibeigenen Bauern der umliegenden ehemaligen Klosterdörfer Briest, Fredersdorf, Blankenburg und Warnitz. Als die Briester Leibeigenen durch die Hardenberg-Steinschen Reformen frei wurden, mussten sie bei der Separation von ihrem Land große Stücke abtreten. Dadurch erhielt Wendemark seine jetzige Größe.
Jetzt musste die Domäne mit eigenen Arbeitskräften wirtschaften. Damit wurde der Bau von weiteren Arbeiterhäusern notwendig. Es entstanden 5 Häuser, die von je 4 Familien bewohnt wurden. Es waren Fachwerkhäuser, die in der Mitte eine gemeinsame „Schwarze Küche“ hatten. Die gemeinsame Küche war natürlich ständig die Ursache von Zank und Streit. Und manche Schlacht ist hier von den Frauen mit Bratpfannen und Kellen geschlagen worden. Die Frau des Lehrers Rademacher wusste hiervon noch ein Lied zu singen, hatte sie das ja noch 12 Jahre durchgemacht. Im Heimatkalender von 1959 ist auf Seite 195 der Grundriss eines Schmiedeberger Tagelöhnerhauses, das bis 1919 dort stand, abgebildet. Man geht wohl nicht fehl, wenn man annimmt, dass die Häuser von Wendemark genau so ausgesehen haben.
Jede Familie hatte eine Stube und eine unheizbare Kammer. Unter der Kammer war der Keller, der durch eine Falltür zu erreichen war. Diese Art Keller haben wir heute noch in dem Hause von Höhr und Peske.

Grundriss einzeichnen









Als 1840 die Berlin-Stettiner–Eisenbahn gebaut wurde, wurde auf Wendemarker Gebiet der
Bahnhof Passow errichtet.
Hier war eine Drehscheibe und die Züge fuhren von hier nach Berlin und Stettin. Der gesamte Post-
und Persoenverkehr nach Prenzlau, Pasewalk, Pommern und Rügen ging über den Bahnhof Passow. Zu jedem Zuge waren ca. 75 Postkutschen zur Stelle, die die Weiterbeförderung der Passagiere und der Post übernahmen.
Der Name Posthof für den Eisenbahnergarten an der Chaussee weist darauf hin, dass hier die Stallungen für die Postpferde und Remisen für die Postkutschen gestanden haben. Ein reges Leben
herrschte hier ständig. Passow ist selbst in die Weltliteratur eingegangen. Fritz Reuter schreibt in
seinem Werk „Abendteuer des Entspektor Bräsig.“ ..“.... in den Postwagen hinein, und wir fahren nach
Passow und schließen uns an die Eisenbahn an“
Als die Bahn Berlin-Stralsund geplant wurde, sollte die Strecke vom Bahnhof Passow ausgebaut werden. Aber die Bauern der Gemeinden Briest und Fredersdorf weigerten sich, den notwendigen Acker hierzu abzutreten. Sie wollten „ dat Dübelstüg“ nicht auf ihrem Acker sehen. So wurde die Bahnstrecke von Angermünde ausgebaut und Bahnhof Passow verlor seinen ganzen Glanz. Genauso kurzsichtig waren die Leute, als die Kleinbahn nach Gramzow-Prenzlau geplant wurde. Diesmal trug der Domänepächter von Wendemark die Hauptschuld.

Die Domänepächter von Wendemark hatten sehr unter den schwierigen Verhältnissen zu leiden. Ein Pächter nach dem anderen machte bankrott.
Erst Paul Schreyer machte durch die Durchführung der Moorkultur Wendemark zu einem Ertragsgut.

Auf meine Bitten hatte mir Amtmann Schreyer 1939 sein Lebenswerk in Wendemark geschildert. Wegen der ungeheuren Wichtigkeit für die heutigen Meliorationsarbeiten will ich seine Darlegungen hier wörtlich niederlegen.
„Am 1. Oktober 1893 übernahm ich die Domäne Wendemark trotz vieler Warnungen meiner Verwandten und Bekannten. Die Domäne hatte einen bösen Ruf, da keiner meiner Vorgänger es zu etwas gebracht hatte. Meinen Vorgänger Herrn Saenger sah ich am Tage der Übernahme ohne die geringste Habe und aller Mittel entblößt zum Bahnhof Passow wandern, ein tieftrauriges Bild, das mir noch heute vor Augen steht. Dennoch übernahm ich als geborener Uckermärker frohen Mutes die Domäne in meinem 27. Lebensjahr und sah trotz der zu überwindenden Schwierigkeiten hoffnungsvollen Herzens der Zukunft entgegen, wusste ich doch auch, dass ich als Domänepächter bei völliger Umgestaltung der Wirtschaft nicht von den Launen eines Privatmannes abhing, sondern mit einer wohlwollenden Regierung zu tun hatte, die stets bereit war, besondere Projekte von größerer Bedeutung zur Hebung der Rentabilität durch sachverständige Leute prüfen zu lassen, zu genehmigen und pekuniär bei 5% Verzinsung zu unterstützen.
Meine Annahme fand auch sehr bald ihre Bestätigung. Ich hatte Wendemark 1893 in der Zession übernommen, die Pacht lief nur noch bis zum 1.Juli 1897. Da die Domäne außerdem ein Jahr vor Ablauf der Pacht öffentlich ausgeboten werden, hatte ich durchaus nicht die bestimmte Zusicherung auf eine 18-jährige Neuverpachtung und somit das große Risiko auf mich genommen, den jährlich erforderlichen und erheblichen Zuschuss, den die vollkommen heruntergewirtschaftete Domäne beanspruchte, in den nur 4 Zessionsjahren bei meinen eventuellen Auspachtung zu verlieren. Aus dem selben Grunde musste ich eine durchgreifende Wirtschaftsänderung und Melioration zunächst unterlassen. Aber Ende gut, alles gut.
Nachdem ich der Regierung meine Meliorationspläne unterbreitet hatte, erhielt ich bald nach dem Verpachtungstermin im Jahre 1896 vom Ministerium den Zuschlag für die Pachtperiode 1897 – 1915, trotzdem ich nicht das höchste Gebot abgegeben hatte. Die Meliorationspläne hatte ich bereits durch den Kulturringenieur Seewald, Arnswalde, ausarbeiten lassen, die ich nun sofort zur Genehmigung einreichte, mit gleichzeitig beigefügter Mooranalyse der Moorversuchsstation in Bremen, die ebenfalls meine Pläne voll und ganz unterstützte adato des guten Moores. Um meine Pläne entbrannte unter den Sachverständigen im Ministerium ein harter Kampf, hatte man doch mit Ausnahme von Rimpan mit der Schaffung von Ackerdammkulturen sehr schlechte Erfahrungen gemacht. Der Grund lag oftmals in der Verwendung von unrichtigem und zu stark aufgetragenem Deckmaterial. Durch meine frühere Tätigkeit auf missglückten Mooranlagen hatte ich bereits viel Erfahrungen gesammelt. 1887/88 war ich in Schwerinsburg in Vorpommern und hatte von dort oft Gelegenheit nach Mariawerth, Lowitz und Sophienhof zu kommen. Dort blieben zwar die Wiesen- und Weidenanlagen nutzbringend, jedoch konnten sich keine besandeten Ackerdammkulturen längere Zeit halten. Trotz der vielen Misserfolge hatte die Regierung lebhaftes Interesse daran, die großen Moorflächen im Deutschen Reich zu kultivieren, um die jährlichen Einfuhr von Getreide und Futtermittel zu vermindern.

Wie sah nun Wendemark bei der Übernahme 1893 aus?
Das Gesamtareal betrug 3156 Morgen. Zur Domänepacht gehörten aber nur 1246
Morgen mineralischer Ackerboden, 310 Morgen unmeliorierten Wiesen, 172 Morgen Koppeln und etwa 70 Morgen Wege, Hofraum und Ödland. = 1788 Morgen. Die übrigen Flächen von 1358 Morgen bestanden aus Enklaven, Schulgrundstück und Randowwiesen, die von der Regierung an bäuerliche Besitzer verpachtet waren. Mit Ausnahme der Blankenburger und Warnitzer Wiesen wurden später alle Enklaven abgelöst. Der Acker war nur mäßig von meinen Vorgängern bewirtschaftet worden, infolge dessen waren auch die Ernten schlecht ausgefallen. Die geringe Ernte war vor meiner Übernahme von meinem Vorgänger verkauft, es fehlte an Futterkorn und vor allen Dingen an Streustroh.
Die vorhandenen Koppeln südöstlich des Hofes waren ein Bülten- und Diestelmeer. Die Bülten wurden mit großen Hacken abgeschlagen, zerkleinert und schlecht und recht als Einstreu für die Kühe verwendet. Häckselstroh musste ich kaufen. Heu war noch leidlich von den nicht entwässerten Randowwiesen, die mit Seggegräsern bestanden waren, vorhanden. Die Kühe erhielten das Grundfutter von diesem Heu und dazu 3 Pfd. Kraftfutter und Runkeln, soweit der Vorrat reichte. Nachdem so 3 – 4 Mon. gefüttert war, erlebte ich einen schweren Schlag. Eines Morgens konnten 70 Kühe nicht aufstehen. Es wurde festgestellt, dass sämtliche Tiere an Knochenbrüchigkeit in Folge des kalkarmen Heues erkrankt waren. Es war bei dem besonders schweren Anfang ein harter Schlag 10 Kühe zu verlieren, zumal ich für teures Geld holsteinisches Vieh importiert hatte. Als Gegenmittel wurden pro Kopf 10 Pfd. Sesamkuchen und Rapskuchen des hohen Kalkgehaltes wegen längere Zeit gegeben. Mein Missgeschick hatte sich in der Umgegend schnell herumgesprochen
und die Pächter der Randowwiesen waren ganz erstaunt zu erfahren, dass in der Kalkarmut des Heues die Ursachen ihrer alljährlichen Viehverluste lagen. Es blieb mir weiter nichts übrig, als in der Fruchtfolge des Höhenackers einen Kleeschlag anzulegen, um wenigstens gesundes Viehfutter zu haben. Somit entstand im Verhältnis vom Höhenacker zum Grünland eine derartige Ungleichheit, wie sie nicht größer gedacht werden kann. Das musste unbedingt zum Bankrott führen, wenn die großen Wiesenflächen nicht melioriert würden. Für Getreide und Hackfrüchte standen nur 1246 Morgen abzüglich 130 Morgen Klee = 1116 Morgen zur Verfügung, dagegen an Grünland 289 Morgen Wiese und 130 Morgen Koppeln. Unzweifelhaft ist hauptsächlich auf die wenig taugliche Grünlandfläche und die Ungleichheit zum Höhenacker der Untergang meiner Vorgänger zurückzuführen. Als ich die erste Ernte 1894/95 eingebracht hatte, kam ein vortragender Geheimrat aus dem Ministerium nach Wendemark und besichtigte Viehbestand und Ernte. Er sah mich ganz erschrocken an und sagte: „Ist das Ihre ganze Ernte? Gott erhalte Ihnen den Mut, ich beneide Sie darum“ Meine ganze Ernte bestand aus 604 Fuhren Getreide. Die Wegeverhältnisse spotteten jeder Beschreibung. Es gab Zeiten, wo der direkte Weg zum Bahnhof unpassierbar war. Es musste mit großem Vorspann der steile Weg vom Hof zur Chaussee genutzt werden, um auf dem Bahnhof Güter zu verladen. Ebenso sah der Weg bis zur Zichower Grenze aus. Das Dungfahren und andere Arbeiten mussten dann trotz aller Dringlichkeit unterbleiben. Die Arbeiterwohnungen waren in schlechter baulicher Verfassung und bestanden mit Ausnahme eines Hauses aus Fachwerk. Scheunenraum für Getreide und Heu waren für den kommenden Betrieb nicht genügend vorhanden.
In diesem Zustand übernahm ich Wendemark und noch dazu in der traurigen Caprivizeit, in der für 1 t Roggen nicht mehr als 95 – 105 Mark gezahlt wurden. Bei der Anlage einer besandeten Moorkulturen bleibt die alte Grasnarbe unberührt bestehen. Zunächst wurde die Vorflut und Abzugsgräben gezogen, auch in dem Teil der Hofkoppeln (100 Morgen) der als unbesandete Kultur vorgesehen war. Die großen Bülken, die darauf standen, wurden abgeschlagen, zerkleinert und zu Streu abgefahren.
Das Graben ziehen wurde sehr aufgehalten durch das Sprengen und Fortschaffen der großen Steine, die früher im Moor lagen. Sonderbarerweise fand sich bei den Erdarbeiten der zu besandenden Flächen selten mal ein Stein. Eine Übersandung der Koppelfläche unterblieb, da ein Durchwachsen der Disteln zu befürchten war. Der Wuchs der Disteln und der anderen Unkräuter auf der umgepflügten Moorfläche wurde zunächst durch den Anbau von Senf und Hanf mit nachfolgender Hackfrucht bekämpft. Eine Besandung des Moores nach der Unkrautbekämpfung hatte nicht sofort stattfinden können, da dem Sand als Unterlage eine dicke Grasnarbe fehlte. Der Sand hätte sich sehr bald mit dem Moor vermischt und wäre somit zwecklos gewesen. Der Grabenaushub wurde zu beiden Seiten planiert, sehr sorgfältig zerkleinert und nach oberflächiger Abtrocknung mit einer schweren Walze angewalzt. Bevor eine Besandung stattfinden konnte, musste die aufgebrachte Moorschicht mindestens 12 – 15 Wochen restlos austrocknen, es könnte sich sonst eine Oxydschicht bilden und durch Verhärtung die Rentabilität der ganzen Anlage in Frage stellen. Während der Austrocknungszeit entsteht naturgemäß ein Ausschlag der alten Gräser, die ich als Schafweide ausnützte. Ich löste aber die Schäferei auf und erhöhte den Rindviehbestand. Als Deckmaterial für Ackerdammkulturen eignet sich am besten lehmiger Sand, der von der Höhe genommen und mit der Feldbahn an Ort und Stelle befördert wurde.
Leider war es bei dem flotten Besandungsbetrieb nicht immer möglich, lehmigen Sand zu fördern. Dies sollte sich noch schwer rächen.
Die Besandung von 300 Morgen mit einer Sandschicht von 13 cm Höhe war nahezu beendet, als plötzlich über Mittag ein Sturm von seltener Heftigkeit ausbrach. Die Gespanne der Feldbahn kamen auf den Hof geprescht, die Leute in voller Aufregung über das Geschehen. Ein Blick auf die besandeten Flächen genügte, um die ganze Tragik zu erfassen. Die ganze Luft war mit dickem Sandstaub angefüllt und der Himmel überhaupt nicht zu sehen. Alle Beete, die noch keine Saat als Deckfrucht trugen, waren total verweht. Ebenso die 2 m breiten Gräben, die ich mit dem Wagen glatt überfahren konnte. Da die ausgeführten Arbeiten noch nicht von der Behörde abgenommen waren, hätte der Ing. Seewald für den Schaden aufkommen müssen. Es rückten nun innerhalb von 3 Tagen
45 – 50 Mann auf 3 Wochen an, die den Schaden mit viel Sorgfalt und Mühe wieder gutmachten. Im Hinblick auf eine ev. Nachbesandung halte ich es für notwendig, die Vielseitigkeit des Deckmaterials zu erwähnen.
1.Bei reiner Sand ist mit dem Risiko einer Verwehung zu rechnen, solange die besandete Fläche nicht durch aufgegangene Saat geschützt ist.
2.Muttererde würde den so wie so reichlichen Unkrautwuchs noch vermehren helfen.
3.Reiner Lehm verkrustet durch die alljährlichen Kaligaben derartig, dass die Luftzufuhr zum Moor unterbunden und die Harkarbeiten erschwert würden.
4.Kiesiger Sand oder reiner Kies hält die Moorausdünstungen nicht genügend zurück und würde die Frostgefahr nicht abwenden. Eine Besandung hat ja lediglich den Zweck, die Frostgefahr fernzuhalten, daher auch das große Risiko bei unbesandeter Moorkultur.
5.Lehmiger Sand oder Sand mit Lehm gemischt ist allen Anforderungen gewachsen. Größtenteils sind die Sandberge mit Lehm durchwachsen und beim Abbau fallen beide Erdmassen zusammen und durcheinander.
Die Stärke der Deckschicht richtet sich nach der Tiefgründigkeit des Moores. Auf jeden Fall muss ein Zusammenpressen des Moores durch die Schwere der Sandmassen vermieden werden. In Wendemark betrug die Sandschicht 13 cm, davon gehen 2 cm Sackmaß ab, so dass 11 cm zur Besandung verbleiben. Zur Besandung der ganzen Fläche wurden 115 000 cbm Deckmaterial benötigt. Solange die Sandschicht durch vorsichtiges Beackern erhalten bleibt, ist mit gesicherten Erträgen zu rechnen, denn selbst eine Mischkultur ist der Frostgefahr ausgesetzt. Die Kosten der besandeten Kultur betrugen pro Morgen 115 Mark, der unbesandeten Kultur 65 Mark pro Morgen. Die fertiggestellten 150 Morgen besandeter und 100 Morgen unbesandeter Ackerdammkultur wurden erstmalig im Herbst 1898 und Frühjahr 1899 mit Halm- und Hackfrüchten bestellt. Der Stand der Früchte ließ keinen Zweifel, dass das hochwertige gut zersetzte Niederungsmoor mit reichem Kalk und Stickstoffgehalt, sehr kulturfähig war. Infolgedessen wurde sofort mit der Kultivierung weiterer 150 Morgen als besandete Kultur begonnen, die im Jahre 1900 und 1901 bestellt werden konnten. Nach allen möglichen kostspieligen Versuchen der verschiedensten Getreide- und Hackfruchtarten ergab sich, dass folgende Früchte auf der besandeten Kultur mit Sicherheit angebaut werden können: Pettkuser Winter Kurzstrohroggen 25 Pfd. pro Morgen, Pettkuser Sommerroggen 75 Pfd. pro Morgen, Kartoffeln, Zuckerrüben und Runkeln. Hafer, Gerste und Weizen sind ungeeignet.
Gedüngt wurde für alle Früchte mit 2 Zentner 40 % Kali und 1 ½ Zt. Thomasmehl oder Superphosphat pro Morgen. Auf der bes. Kultur wurde durchschnittlich 14 – 15 Zentner Roggen, auch 18 Zentner, 100 – 120 Zentner Kartoffeln, je nach Sorte, 400 – 500 Zentner Runkeln oder 180 – 200 Zentner Zuckerrüben geerntet. Auf der unbesandeten Kultur wurden durchschnittlich 10 Zentner Roggen geerntet, einmal ist es vorgekommen, dass auf einem Stück 25 ¼ Zentner geerntet wurden, Kartoffeln ohne Frost 100 Zentner, mit Frost 70 Zentner.
Der Runkelertrag waren verblüffend, vorausgesetzt eine zeitige Unkrautbekämpfung,
500 – 600 Zentner. Besonders gut eignete sich das unbesandete Moor zum Anbau von Grünfutter (Hengkorn).
Nach Anlegung der Ackerdammkulturen folgte 1902 die Kultivierung der Wiesen und zwar der „Kurzen Kavel“ /136 Morgen und des Rosengartens 59 Morgen. Als Abschluss der gesamten Moormelioration wurden 1911 – 12 in der Randow, jenseits des Mittelgraben noch 300 Morgen zu einer großen Koppelanlage gemacht. Die umzubrechende Grasnarbe der alten Wiesen wurde sehr sorgfältig umgepflügt, mit der großen Walze angewalzt und mit der Scheibenegge zerkleinert.
Das Umpflügen geschah mit dem Schwarzschen Moorpflug mit großen Streichbrettern. Jeder Pflug war mit 4 Pferden bespannt, der von 2 Mann bedient wurde, während hinter dem Pflug die nicht völlig umgestülpten Grasstreifen einplaniert wurden. Es war eine harte Arbeit. Die beste Zeit für Graseinsaat ist und bleibt vom 18.- 28. April. Früher ist die Gefahr des Abfrierens groß. Später im Mai setzt gewöhnlich eine Trockenzeit ein, die sich ungünstig auswirkt. Trotzdem sind mir noch am
12. Mai 1912 100 Morgen Einsaat abgefroren. Es wurden pro Morgen 22 - 25 Pfund und 20 – 25 Pfund Hafer als Deckfrucht eingesät, außerdem noch Schwedenklee und noch andere Kleesorten, die aber schon nach einem Jahr wieder verschwanden. Unrentabel ist der Anbau von Knauelgras. Es wird zu schnell hart und von den Tieren ungern gefressen. Die Kosten der Sämereien betrugen pro Morgen 25 – 30 Mark. Ein guter Gräserbestand ist nur dauernd zu erhalten durch Walzen im zeitigen Frühjahr und nach dem ersten Schnitt und durch alljährliche Düngung mit 2 Zentner Kali und 1 ½ Zentner Thomasmehl und pünktlicher Grabenräumung. Das gewonnene Heu aus Süßgräsern war erstklassig und die Knochenbrüchigkeit hörte auf.
Während meiner Administrationszeit von 1926 ab habe ich für die Regierung die verpachteten Wiesen, ca. 640 Morgen durch Umbruch und Neueinsaat in Ordnung gebracht, die nach der Urbarmachung an die bäuerlichen Besitzer wieder neu verpachtet wurden. Im Ganzen wurden von mir als Domänepächter 895 Morgen und als Administrator 640 Morgen kultiviert, im ganzen 1535 Morgen.
Es ist interessant, dass beim Umpflügen der kurzen Kavel und Randowwiesen zerbröckelte Elch- und Hirschgeweihe gefunden wurden, die also darauf schließen lassen, dass in früheren Jahrhunderten ein großer Wildbestand vorhanden war. Zwei völlig erhaltene Elchabwurfstangen und ein schädelechtes Rothirschgeweih habe ich dem Heimatmuseum in Schwedt überlassen. An einer Stelle in der Randow fanden sich 5 Menschenskelette, dabei Knochen von 1 Pferd und 1 Hund, vielleicht von einem Unglücksfall herrührend, als das Moor noch nicht fest war und noch viel tiefe Stellen hatte, die ich erst bei der Melioration einplanieren ließ. Ich persönlich vermute als Zeit den 30 jährigen Krieg. Wie ich erst später erfuhr, wurde von den Arbeitern an der Stelle ein Stück verrostetes Eisen gefunden, dass sie solange beklopften, bis nichts mehr da war. Nach der Beschreibung scheint es eine Partisanenspitze gewesen zu sein und hatte ungefähr diese Form
Zeichnung einfügen








Nach all diesen Arbeiten hatte sich Wendemark sehr zum Vorteil verändert. Die alten Fachwerkhäuser waren abgerissen und freundliche Arbeiterhäuser, so wie wir sie heute noch sehen, entstanden, die Wege waren gepflastert, Feldscheunen gebaut und das Unterland dräniert worden. 1910 wurde der Anbau des Gutshauses ausgeführt.
Die Lindenallee zum Bahnhof wurde nach der Pflasterung 1905/6 angepflanzt.
Entsprechend der Vergrößerung des intensiven und vergrößerten Betriebes wurden mehr Deputanten eingestellt und das lebende und tote Inventar erheblich erhöht. Die Anspannung betrug nun 40 Pferde gegenüber 24 bei der Übernahme und der Rindviehbestand musste auf Konto des reichlich gewonnenen Heues sogar auf 200 Stück gegenüber 75 Stück am Anfang erhöht werden.
Ein Versuch, den Betrieb auf Ochsenanspannung zu verbilligen, scheiterte an dem bergigen Gelände.
Durch die Melioration hatte sich die Fruchtfolge auf dem Höhenboden dahin geändert, dass der Kleeschlag wieder fortfallen und dafür Hengkorn gebaut werden konnte.
Das Domäneareal setzte sich nunmehr zusammen aus 1246 Morgen Höhenacker, 300 Morgen besandete Ackerdammkultur, 100 Morgen unbesandete Kultur, 305 Morgen meliorierte Wiesen, 300 Morgen meliorierte und 72 Morgen unmeliorierte Koppeln, 111 Morgen Gräben, Wege und Unland, 30 Morgen Hofraum, Garten und Park = 2464 Morgen.
Die Rentabilität wurde hauptsächlich erreicht:
1.durch die Gewinnung von Ackerland, das verhältnismäßig hohe Erträge lieferte.
2.durch Gewinnung großer Mengen hochwertigen Heues, dem nur wenig Kraftfutter zugefügt zu werden brauchte. Es konnte der Viehbestand bedeutend erhöht werden.
3.durch reichliche Strohgewinnung auf den Moorkulturen, die dem Höhenacker in Form von Stalldung wieder zugeführt werden konnte, da das Moor infolge seines hohen Stickstoffgehaltes keinen Stalldung benötigte.
4.durch Gespannersparnis durch die Wegepflasterung.

Nachdem die Erfolge der Melioration offensichtlich waren, kamen der Leiter der Bremer Versuchsstation Geh. Rat Prof. Dr. Fleischer, Geh. Rat. Prof. Tasche, Ministerialbeamte und Hochschulen des In- und Auslandes, auch viele landwirtschaftliche Vereine nach Wendemark zur Besichtigung sämtlicher Mooranlagen.
Bei diesen Besichtigungen ging es oft lustig zu. Von der Regierung wurde mir zur weiteren Meliorationszwecke Mehrgewinnung an Getreide und Hackfrüchten weitgehende Angebote gemacht. So verlockend das auch war, musste ich doch ablehnen, da mir nur 1246 Morgen Höhenland zur Verfügung standen. Eine Ackerdammkultur ist auf die Dauer nur zu erhalten durch mehrmalige, zeitige und schnelle Unkrautbekämpfung. Es werden also zeitweilig besonders viel Arbeitskräfte gebraucht. Ist die Unkrautperiode überstanden, so müssen die freigewordenen Kräfte anderweitig nutzbringende Verwendung finden. Das war der Fall, indem 1/3 des Höhenlandes 415 Morgen mit Hackfrüchten bestellt wurden. Mehr Hackfrüchte anzubauen war der Fruchtfolge wegen unmöglich. Wären die Ackerdammkulturen erweitert worden, dann hätte mehr Höhenacker zur Verfügung stehen müssen. Das richtige Verhältnis ist 1/3 Moorwirtschaft und 2/3 Höhenboden, darüber hinaus wäre von Übel.

In Bezug auf die Moorfunde wäre noch erwähnenswert, dass bei den Ausschachtungen für den Sandbedarf in dem Sandschacht, jetzt Siedlung 9, am oberen Rand sich plötzlich eine dunkelrote Lehmschicht zeigte, in der wir einige größere und kleinere völlig erhaltene Urnen fanden, zum Teil mit Weizen gefüllt. Die Ankeimversuche misslangen natürlich. Das Vorgeschichtsmuseum in Berlin bat um Auslieferung der Urnen, da noch keine dieser Art dort vorhanden waren, und so übergab ich sie diesem Museum. (Es handelt sich um Urnen der Schnurkeramiker)

Da mein Sohn im Weltkrieg 1915 gefallen war, wollte ich die Pacht abgeben.
Am 10.05.1926 fand die Taxe statt, und ich übernahm auf unbestimmte Zeit für die Regierung die Administration. Die neue Zeit veranlasste viele langjährige bewährte Beamte im Ministerium in der Regierung ihre Stellung aufzugeben. Und neue, jugendliche Diplom-Landwirte mit viel Theorie und wenig Praxis traten an ihre Stelle. Ihre wirtschaftlichen Maßnahmen widersprachen meinen erprobten und bewährten wirtschaftlichen Maßnahmen. Die Fruchtfolge wurde geändert, ostpreußisches Vieh zur Mast eingeführt und aus dem bisherigen Ertragsgut wurde eine Zuschusswirtschaft. Wendemark wurde siedlungsreif gemacht und 1932 zu Siedlungszwecken an die „Eigene Scholle“ Frankfurt/O. abgegeben.
Am 1.7.1932 gab ich meine Posten auf und zog am 1.10.32 nach Prenzlau

Prenzlau, 1.4.1939

gez. Paul Schreyer




Die Geschichte der Wendemarker Schule

Wendemark gehört zur Pfarre Briest. Darum mussten die Kinder dorthin zur Schule gehen.
1810 waren es nur 6 Kinder.
1839 waren es nach 10-jährigem Durchschnitt 12. Der Schulbesuch dieser Kinder war besonders im Winter mit großen Schwierigkeiten verknüpft. So war einige Jahre vorher das Kind eines Dreschers auf dem Rückweg von der Schule in der Kälte erstarrt und nur durch Zufall gerettet worden, aber dann, wie man glaubte, infolge der Erkältung gestorben. Ein verkrüppeltes Kind besuchte die Schule gar nicht und ein sehr schwächliches wurde von der Erzieherin des Amtmanns Engel unterrichtet. Oft blieben die Kinder ganz der Schule fern, sei es des Wetters wegen, sei es, dass sie zur Arbeit gebraucht wurden.
Infolge des immer schärfer werdenden Schulzwanges ergaben sich weitere Unzuträglichkeiten.
Die Eltern wurden von harten Schulsäumnisstrafen betroffen; wenn sie nicht zahlen konnten, kamen sie ins Gefängnis.
Am 9. Juli 1842 erhob der Domänenpächter Engel gegen solche Maßnahmen Einspruch. Es sei unmöglich, dass, wenn in Briest die Schule morgens um 5 Uhr angehe und die Kinder schon um 3 Uhr aufstehen mussten, sie regelmäßig die Schule besuchen könnten.
Da die Eltern die Strafen für Schulversäumnis ihrer Kinder durchaus an Wochentagen absitzen sollten, käme die Gutsarbeit zu kurz, zumal Wendemark in diesem Jahre schon 6 Arbeitskräfte durch Todesfall verloren hätte.
Aus diesem Grunde hatte Amtmann Engel sich schon länger mit dem Plan der Einrichtung einer eigenen Schule beschäftigt, die er als Privatschule einzurichten gedachte.
Im Sommer 1839 stellte er einen Schulamtsaspiranten Schramm aus Hetzdorf ein. Dieser war von Hildebrandhagen entlassen wurden da er auf einem Auge erblindet und die Sehkraft des anderen geschwächt war, aus der Besorgnis heraus, dass er bei etwa eintretender gänzlicher Dienstunfähigkeit der Gemeinde zur Last fallen könnte. 1840 aber schon wird der Regierung mitgeteilt, dass der Schr. gekündigt sei, und es wird beantragt, dass ein Seminarist nach Wendemark geschickt würde.
Für den Fall, dass der Amtmann Engel Opfer zur Gründung der Schule brächte, stellte die Regierung einen kleinen Zuschuss in Aussicht.
Engel versprach für die Lehrer freie Station und freie Holzfuhren. Zur Hergabe einer Schulstube und einer Kammer erklärte er sich nur bereit, wenn die Regierung die Erbauung eines beantragten Familienhauses genehmige.
Sept. 1842 forderte die Reg. für die Einrichtung der Schule:
Wohnung, frei Kost, etwa 15 Taler Schulgeld; sie selbst versprach 10 Taler Gehaltszulage. Außerdem sollte noch das nötige Brennholzdeputat höheren Orts beantragt werden. Im übrigen würde er es Pfarrer Witte in Briest überlassen, „ ein irgend geeignetes und zuverlässiges Subjekt, welches die Stelle anzunehmen geneigt ist“, vorzuschlagen. Doch hatte die Regierung noch starke Bedenken, da bei dem geringen Einkommen sich erfahrungsgemäß junge Lehrer in Schulden stürzten und andererseits der Staat bei den 4 bis 6 Kindern keine großen Zuschüsse geben könne.
Amtmann Engel wünschte die Schule schon für den Winter 1842/43 zu eröffnen und versprach deshalb, vorläufig das Brennholz zu geben. Er schlug einen Schulamtspräparanden Friedrich Krüger aus Wendemark vor; dieser war am 26.07.1814 ? geboren und hatte sich für das Schulfach zuletzt bei Kantor Schelk in Briest vorbereitet und die Präparandenanstalt des Lehrers Riecke in Blumberg
in Pommern besucht. Am 30.08. 42 hatte er das Examen auf dem Seminar in Cammin bestanden. Michaelis 1842 trat Krüger die Stelle an unter den oben genannten Bedingungen an. So ist also Michaelis 1842 als der Geburtstag der Schule von Wendemark zu bezeichnen.
Am 1.Oktober 1843 sollte der Schulamtsaspirant Gottschalk aus Wilsikow b. Strasburg folgen. Er kam aber nicht hierher, er hatte eine andere Stelle angetreten.
Stattdessen schickte die Regierung den durch einen einjährigen Seminarkurs vorbereiteten Ehricke. Ihm wurde eine jährliche staatliche Gehaltszulage von 12 Taler zugesichert. Als die Regierung für Ehricke eine Reiseentschädigung von 5 Taler festsetzte, erklärte Amtmann Engel, er hätte schon genug für die Schule getan, die Tagelöhner aber wären zu arm, dazu beizusteuern. Schließlich zahlte die Regierung, wies aber darauf hin, dass sie, wenn sich die Gemeinde später wieder weigern würde, keinen Lehrer mehr nach Wendemark schicken würde.
Ehricke begann, in der Schule Lesegottesdienste abzuhalten, wogegen das Konsistorium nichts einzuwenden hatte, von der Regierung erhielt er dafür in einem Jahre 8 Taler, im andern 6 Taler. Zum 8.5. 44 sollte E. sich zur Prüfung fürs Schulamt in Potsdam einfinden.
Im Mai 1844 wurde über die Verbesserung der Wohnung verhandelt, die eine gewöhnliche Arbeiterwohnung war. Geplant war, die Kammer zu dielen u. einen Ofen darein zu setzen. Der Ofen wurde für unnötig gehalten, da der Lehrer sich in der Schulstube aufhalten könne .Betont wurde, dass alle unnötigen Kosten zu sparen und auf den Bau eines eigenen Schulhauses hinzustreben sei.
Sept. 44 wurde über eine Dotation der Stelle verhandelt. Die Regierung wollte beim Domänefiskus eine angemessenen Land Dotation beantragen, statt der freien Beköstigung versprach Amtmann Engel, täglich 2 Quart Milch und jährlich 6 Scheffel Brotkorn zu liefern und das Holz anzufahren.
Sept. 1845 wurde dem Lehrer E. auf Verfügung der Regierung eröffnet, dass seine Anstellung in W. nur eine interimistische mit 4-wöchentlichen Kündigung sei; es wurde ihm freigestellt, einer anderen Versorgung nachzustreben.
Okt. 1845 bewilligt die Regierung aus dem Forstrevier Gramzow jährlich für die Zeit von 1846 bis 51 5 Klafter geringes Knüppelholz unter 3 Zoll Stärke, frei von Holzgeld gegen Erlegung des Schlägerlohnes.
Anfang 1846 hatte W. 28 Schulkinder, von denen 34 Taler Schulgeld einkam, im Sommer sank die Schülerzahl unter 20, sodass die Regierung verfügte, die Schule sollte eingehen, wenn Amtmann Engel sich nicht verpflichtete, die Leistungen, die er 1846 versprochen hatte, weiter zu gewähren.
Ostern 1846 / Michaelis 47 versah die Stelle Schulamtskandidat Domak, auch D. hielt Lesegottesdienst. Die Regierung bewilligte ihm dafür 6 Taler
Oktober 1847 folgte Lehrer Gössler, der jährliche 12 Taler Staatszuschuss bekam. Nov. 1847 wurde ihm die Stube gedielt.
Am 1.4.48 ging G. als Hilfslehrer nach Zichow.
Es folgte ihm Ferdinand Köppen, der aus Briest kam.
Mitte Oktober 1849 folgte der Schulamtskandidat Klemmer, ausgebildet in Potsdam, er kam aus Stolpe/O.
Sein Einkommen setzt sich folgendermaßen zusammen:
1. Schulgeld 35 Taler.
2. Gehaltszul. = 12 Taler
3. 5 Klafter Knüppelholz z. Heizung 3 Taler
4. eine kleine Wohnstube 3 Taler
5. freie Station 84 Taler
137 Taler
Mit einer Gratifikation der Regierung zu diesem Gehalt wurde gerechnet.
Die Schülerzahl betrug 32. Die Dienstwohnung war klein, doch in gutem Stand. Kl. klagte über Holzmangel.
Am 1. April 1851 folgte Hilfslehrer Röhl.
Am 28.10.1852 übernahm die Stelle Schulamtskandidat Ziertmann aus Boitzenburg.
Herbst 1854 wurde wieder über eine Verbesserung der Stelle verhandelt. Die Regierung bezweifelte, dass eine Fläche von 2 ½ Morgen Acker am Wege zum Bahnhof Passow, die schon 1846 in Aussicht genommen war, als Dotation ausreichend sei.
Eine örtliche Verhandlung am 10.10.54 hatte kein Ergebnis. Ziertmann übernahm im Herbst 1854 die Stelle in Fredersdorf.
Es folgte ihm Schulze, 23 Jahre alt. Die jährliche Gehaltszulage seitens der Regierung erhöhte sich bei ihm auf 30 Taler. Die Schülerzahl betrug damals 35.
Schulze blieb in W. bis Sept. 1858, Okt. 1858 kam Lehrer Block aus Lindow bei Jüterbog. 1861 ging er nach Künkendorf.
Ihm folgte Löwe, geb. 8.8.1839. Zum 14.11.61 wurde er zur Prüfung vorgeladen, bestand sie aber nicht, wurde jedoch für fähig erklärt, in einzelnen Fällen an einer kleinen Schule angestellt zu werden. Am 31.8.64 bestand er die Prüfung. 1866 ging er nach Lehnin. Nachfolger wurde Wilhelm Ebert aus Striegau bei Perleberg.
Am 1.Mai 1870 übernahm die Stelle Reimer. Er starb am 23.09.1871 an Typhus.
Es folgte Robert Rademacher, geb. am 28.07.1839 in Bertikow, ausgebildet auf dem Seminar in Kyritz. Er hatte den Feldzug gegen Frankreich mitgemacht.
Der damalige Pächter Rostoski einigte sich mit demselben dahin, dass er ihm für die freie Station jährlich 300 Mark gab. Er verheiratete sich am 31.12.71.
Bis dahin hatte der Lehrer als Wohnung eine Kammer gehabt. Nun wurde die bisherige Schulstube Wohnung des Lehrers und die Schulstube nach einem anderen Familienhaus verlegt. Je nach Laune des Amtmannes wurde nun die Schulstube ständig verlegt. In einem Jahre wurde das Schullokal 3 mal gewechselt.
Im Jahre 1874 rev. der Schulrat Eismann die Schule und meinte, dass er berechtigt sei, die Schule zu schließen, da das Schullokal lebensgefährlich wäre. Die Decke drohte nämlich einzustürzen und war gestützt.
Trotzdem unterblieb der Neubau des Schulhauses noch bis zum Jahre 1882.
Von den Gemeindemitgliedern waren bereits seit 30 Jahren Schulhausbaugelder gezahlt worden und zwar musste jeder Einwohner die Hälfte seiner Klassensteuer dazu beitragen.
Im Jahre 1882 als mit dem Neubau des Schulhauses begonnen wurde, waren ca. 5000 Mark gesammelt.
Dem Lehrer wurden nun 5 Morgen Land und 2 Morgen Wiese von der Regierung überwiesen. Das Gehalt wurde jetzt so geregelt, dass die Gutsherrschaft statt der freien Station dem Lehrer jährlich 207,50 M zu geben hat, 92,50 M werden auf die 5 Morgen Land und 2 Morgen Wiese gerechnet. Das bare Gehalt des Lehrers beträgt 810 M außer der Alterszulage. Die Wohnung, welche außer der Schulstube aus 3 heizbaren Zimmern besteht, wird 120 M gerechnet. Außer 16,7 m Holz, welche aus der Forst Gramzow jährlich geliefert werden, erhält der Lehrer 74 M Holzgeld.
Am 1.10.1905 schied Lehrer Rademacher aus seinem Amte, das er 35 Jahre ununterbrochen hier verwaltet hatte.
Sein Nachfolger wurde Erich Gruner. April 1907 übernahm der Lehrer Wellhausen die Verwaltung der Schulstelle in Wendemark. Er verließ sie am 30.09.1912. Ihm folgte am 01.10.1912 der Lehrer Herman Buchin. Im Jahre 1914 wurde das Schulhaus vergrößert. Schon am 24.4.1911 hatte der damalige Lehrer Wellhausen den Antrag gestellt, weil die Schulstube zu klein und die Wohnung des Lehrers unzureichend war.
Durch Hinzunahme der kleinen Kammer hinter der Schulstube und des Flures wurde die Schulstube vergrößert. Die Lehrerwohnung wurde durch einen Anbau vergrößert. Die kleine Stube wurde geteilt und teils als Speisekammer teils als Flur verwendet. Im Keller wurde eine Waschküche, die bisher fehlte, eingebaut. 1924 wurde eine 2. Bodenstube gebaut und 1927 die Veranda errichtet. Nach dem Zusammenbruch wurde Lehrer Buchin aus dem Schuldienst entlassen.

Im ersten Weltkrieg wurden zum Wehrdienst einberufen:
1. Otto Vilöhr, 2. O. Radtke, 3. Otto Gohlicke, 4. Wilhelm Götting, 5. Wilhelm Hein,
6. Max Hein, 7. Eugen Schimmelpfennig, 8. Ferdinand Adermann, 9. Max Adermann, 10. Karl Iben, 11. Richard Gohlicke, 12. Ernst Neuendorf, 13. Ernst Meyer, 14. Max. Kekert, 15. Otto Feyerabend 16. Hans Schreyer, 17. Leutnant d. Res. Herr Muermann, 18. Emil Lüdtke, 19. Karl Wetzel 20. Paul Adermann, 21. Wilhelm Adermann, 22. Wilhelm Luck sen., 23. Otto Albrecht, 24. Ernst Zehms, 25. Paul Neuendorf, 26. Herman Buchin, 27. Willi Luck, 28. Felix Zimmermann.

Gefallen sind:
Hans Schreyer, Lt. Muermann, Felix Zimmermann, Max Adermann, Ferdinand Adermann, Otto Radtke, Ernst Neuendorf starb im Lazarett.
Die Revolution ging an Wendemark ohne merkbare Wirkungen vorüber. Der Domänepächter hatte für gute Wohnungen gesorgt und war auch sonst ein humaner Arbeitgeber. Der beste Beweis dafür ist, dass kaum ein Arbeiterwechsel stattfand. Die Söhne warteten, bis durch Tod eine Wohnung leer wurde um sich dann zu verheiraten und hier zu bleiben.
So blieben von den Invaliden Karl Iven die Söhne Herbert, Karl, Otto und Walter am Ort.
Die Inflation aber brachte viel Kummer über die Wendemarker, denn es hatte fast jeder ein Sparbuch mit oft ganz ansehnlichen Beträgen, die bis 6000,00 Mark reichten. Diese sauer ersparten Gelder gingen nun verloren. Von dem Reichsheimstätten-Gesetz machten aus Wendemark Herbert Iven, Karl Iben, Otto Iben und Walter Iben, aus Briest August Zabel und Ernst Ewerth, aus Passow der Postbote Karl Herrmann Gebrauch. Sie erhielten 1931 am Briester Weg je 1 Morgen Land und bauten sich dort je zwei ein Haus mit Stallung, nachdem dort der Kommunalverband Angermünde 1928 für den Landjägerposten und den Chausseeaufseher ein Haus gebaut hatte.
Der Postbote Karl Herrmann konnte aus eigenen Mitteln bauen, während die übrigen den Siedlungskredit in Anspruch nahmen. Sie arbeiteten auf dem Gut als freie Arbeiter weiter. Bei der Aufsiedlung von Wendemark im Jahre 1932/33 wurden die Stellen auf rund 3,5 ha abgerundet. 1935/36 konnte sich Karl Hermann noch ein zweites Haus bauen. Auch der Postagent Wilhelm Meincke baute sich ein Heimstättenhaus.
Im Jahre 1926 gab Amtsrat Schreyer die Pachtung der Domäne ab und die Regierung in Potsdam übernahm die Domäne in Eigenbewirtschaftung. Für das tote und lebende Inventar und für die Bestellung bekam Schreyer rund 500 000,00 Mark. Er blieb vorläufig als Administrator in Wendemark. Die Wirtschaft wurde nun von einem Güterdirektor in Berlin vom grünen Tisch aus geleitet. Die langjährig erarbeitete Fruchtfolge wurde willkürlich geändert, ostpreußisches Rindvieh wurde zur Mast eingeführt. Dieses Vieh war hier nicht akklimatisiert und nahm nicht in dem gehofften Maße zu. Dazu kam ein Preissturz. Auch die Ernteerträge gingen durch die geänderte Fruchtfolge rapide zurück. Kurz und gut, aus dem Ertragsgut Wendemark war in kurzer Zeit ein Zuschussbetrieb geworden. Außerdem mussten in kurzer Zeit die Kulturbeete nachbesandet werden.
Darum gab im Jahre 1932 die Regierung Wendemark zur Besiedlung frei und verkaufte es an die Landgesellschaft „ Eigene Scholle“ GmbH zu Frankfurt/O.
Die „Eigene Scholle“ teilte nun Wendemark in 46 Siedlerstellen auf. Von den Gutsarbeitern machten von der Siedlungsmöglichkeit Gebrauch

1. Wilhelm Liedke 8,48 ha 1.140,- Anzahlung Kaufpreis 11.809,-
2. Wilhelm Luck 8.63 ha 1.240,- Anzahlung Kaufpreis 11.752,-
3. Paul Adermann 7,56 ha 965,- Anzahlung Kaufpreis 10.041,-
4.Wilhelm Adermann 7,56 ha 965,- Anzahlung Kaufpreis 10.047,-
5. Ernst Darge 8,33 ha 1.040,- Anzahlung Kaufpreis 10.791.-
6. Wilhelm Götting 7,60 ha 965,- Anzahlung Kaufpreis 10.047,-
7. Heinrich Chlupka 8,60 ha 1.090,- Anzahlung Kaufpreis 11.072,-
8. Paul Neuendorf 8,46 ha 1.040,- Anzahlung Kaufpreis 10.995,-
9. Gustav Peske 7,92 ha 977,50Anzahlung Kaufpreis 10.178,-
10. Richard Gohlicke 8,43 ha 1.027,- Anzahlung Kaufpreis 10.191,-
11. Gustav Lebrenz 10,14 ha 1.740,- Anzahlung Kaufpreis 12.316,-
12. Otto Leider 7,77 ha 1.241,- Anzahlung Kaufpreis 11.939,-
13. Otto Vilöhr 9,34 ha 1.840,- Anzahlung Kaufpreis 14.368,-

Jeder von ihnen erhielt ein Pferd und 1 Färse und 1.000,- Mark zum Ankauf von Milchkühen und ca. 30 Zentner Getreide. 2 Arbeiterwohnungen wurden vereinigt und Stall und Scheune gebaut.
Als gemeinsames Eigentum wurde ihnen Eggen, Pflüge, 2 Walzen, 2 Ableger und ein Dreschkasten übereignet.
Die übrigen Siedler kamen aus den verschiedensten Gegenden. Viele von ihnen hatten durch die wirtschaftliche Misere der letzten Jahre ihre Existenz verloren. Sie wollten sich nun hier eine neue gründen, da die Bedingungen dafür hier günstig waren. Für die 15 ha Siedlung wurden 2.070 – 3.745,00 Mark und für die 20 ha Siedlung 4.000,- bis 4.375,- Mark Anzahlung verlangt. Dafür erhielten sie außer dem Land einen Stall mit eingebauter Wohnung und 1 Scheune.
Außerdem wurde das vorhandene Vieh an sie verteilt. 7 – 8 Siedler bildeten eine Arbeitsgruppe und erhielten als gemeinsamen Besitz die nötigen Ackergeräte und Maschinen. Jeder erhielt auch noch für den Anfang das nötige Korn.
Im Allgemeinen kamen die Siedler hier recht arm an. Zur Anzahlung hatten meistens noch die Verwandten das nötige Geld geborgt. Aber alle besaßen den verbissenen Willen, vorwärts zu kommen. Gearbeitet wurde von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang, und gespart wurde an allem. Butter kam selten oder gar nicht auf den Tisch. Ich habe selbst gesehen, dass zur Erntezeit Kartoffeln und Johannisbeeren die Mittagsmahlzeit waren. Und der Fleiß und die Sparsamkeit lohnten sich. Dazu kam, dass die Preise für die landwirtschaftlichen Produkte stiegen. Die Arbeitsgemeinschaften lösten sich auf, und jeder konnte sich eigene Maschinen und Geräte anschaffen. Die Scheunen wurden vergrößert und besondere Ställe gebaut. Wohlhabenheit zog in alle Siedlungen ein. Da kam der 2. Weltkrieg und machte mit allem ein Ende. Wieder standen unsere Siedler vor dem Nichts.

Im Jahre 1858 wurde mit dem Bau der Chaussee nach Gramzow begonnen. Von 1905 – 1908 wurde die Chaussee nach Schwedt gebaut.
Am 23.11.1923 wanderte Otto Albrecht, geb. 16.3.98, nach Amerika aus. Sein Onkel hatte im Staate Wisconsin eine Farm. Diese sollte er, da der Onkel keine Kinder hatte, bekommen. Bald darauf schickte er für seine Eltern und seinen Freund Richard Neuendorf Freikarten. Am 23.10.1924 wanderte nun Wilhelm Albrecht, der hier als Maschinist beschäftigt war, mit seiner Frau Anna, geb. Fiebelkorn, nach Amerika aus.
Ihnen schloss sich Richard Neuendorf, geb. 4.9.02, Sohn des Kutschers Paul Neuendorf, an. Wilhelm Albrecht und seine Frau konnten sich aber nicht mehr dort eingewöhnen. Sie kehrten nach einigen Jahren nach Deutschland zurück.

Am 4.8.1926 rettete der 13- jährige Schüler Hermann Buchin, Sohn des Lehrers Buchin, die 11 jährige Schülerin Gertrud Sokolowski aus Pankow vom Tode des Ertrinkens. Im Juni 1927 erhielt er vom Regierungspräsidenten folgendes Schreiben:

Öffentliche Belobigung
im Namen der Preußischen Staatsregierung
Der Schüler Hermann Buchin aus Wendemark, Krs. Angermünde hat am 4. August 1926 die Schülerin Gertrud Sokolowski aus Bln. - Pankow unter besonders erheblicher eigener Lebensgefahr vom Tode des Ertrinkens gerettet. Das Preußische Staatsministerium hat durch Erlass vom 30. März 1927 die Verleihung der Rettungsmedaille am Bande an Buchin solange ausgesetzt, bis er das 18. Lebensjahr vollendet haben wird, und angeordnet, dass in seinem Namen diese mutige und entschlossene Tat lobend zur öffentlichen Kenntnis gebracht wird.

Ich bringe diese mutige und entschlossene Tat hiermit lobend zur öffentlichen Kenntnis.
Potsdam, den 3. Mai 1927
Der Regierungspräsident
i.A.
gez. V. Ziegesar

























Chronik
der Wendemarker Schule


Die Schule in Wendemark ist ursprünglich eine Privatschule gewesen, welche der Domänepächter, Oberamtmann Engel, für die Kinder seiner Dienstleute eingerichtet hatte.
Er gab das Schullokal und Wohnung und Gehalt des Lehrers aus eigenen Mitteln her. Später, als der Bahnhof Passow entstand, wurden die Kinder der daselbst wohnenden Eisenbahn- und Postbeamten und Arbeiter nach Wendemark eingeschult und die dortige Schule zu einer öffentlichen, unter dem Patronat der Königl. Regierung stehenden Volksschule erhoben und die Vermögens- und Einkommensverhältnisse der Schule und des Lehrers in folgender Weise geordnet.

I. Gebäude: Ein eigenes Schulhaus ist für jetzt noch nicht vorhanden, der Domänepächter in Wendemark ist aber verpflichtet in den vorhandenen Familienhäusern ein Lokal für die Schule und eine Wohnung für die verheirateten Lehrer einzuräumen und ersteres mit den nötigen Utensilien auszustatten. Beides ist auch vorhanden, aber freilich von dürftiger Beschaffenheit. Es ist Aussicht, dass vielleicht schon im nächsten Jahre das längst projektierte Schulhaus mit den nötigen Stallräumen, zu dessen Bau von den Gemeindemitgliedern schon ein nicht unbedeutendes Kapital angesammelt worden ist, werde hergerichtet werden.

II. Grundstücke: Die Schule zu Wendemark besitzt für jetzt noch keine Grundstücke, es steht aber fest, dass, sobald das Schulhaus gebaut ist, der Schule an Ackerland 3 Morgen und an Wiese 4 Morgen von den Domänengrundstücken überwiesen werden sollen.

Die betreffenden Pläne sollen bereits bestimmt und abgesteckt sein.

III. Feste, nicht zufällige Einkünfte:

1.Der Lehrer hat von der Herrschaft vollständige Beköstigung an ihrem Tische. Der jetzige Domänepächter hat sich mit dem Lehrer dahin geeinigt, dass derselbe statt der feinen Beköstigung ein Äquivalent von 100 Thaler bar jährlich empfängt. Wenn der Lehrer im Genuss der ad II genannten Grundstücke ist, so wird voraussichtlich das Verhältnis eine Änderung erleiden.
2.Gehaltszulage von der Königlichen Regierung von jährlich 25 ist nach Verfügung vom 3. Mai 1864 auf 10 Jahre bis Ende 1873 bewilligt. Die Fortführung derselben vom Januar 1874 ab ist von der Königlichen Regierung. Die Staatsbeihilfe von 25 M ist durch Ministerialerlass vom 4. Okt. 1873 bis 1883 fortbewilligt.
Königlichen Regierung den, 17. Oktober 1873 (II E 3232) noch nicht ausgesprochen, sondern nach Verfügung vom 6. Juli 1872 in Erwägung genommen.
3.Zulage von 7 Thalern – jährlich von der Königlichen Regierung durch Verfügung vom 15. Nov. 1872 (II EL 3173) vom 1. Jan. 1872 ab vorläufig bis Ende 1876 4 Gehaltszulagen von jährlich 12 früher von der Königlichen Regierung gezahlt, ist vom 1. April 1870 ab der Gemeinde auferlegt laut Anzeige des Königlichen Domäne-Polizei-Amtes in Gramzow 4. März 1870.
4.Stellenzulage von 20 Thalern vorläufig auf 4 Jahre von 1873 bis 1876 durch Verfügung der Königlichen Regierung vom 20. Nov. 1873 (V II E 3542) Ad V. Nach Verfügung der Königlichen Regierung vom 21. Sept. 1872 (II C 2332) bezieht der Lehrer das volle Schulgeld vom 1. Januar 1873 ab, und die Gemeinde hat zur Unterstützung des Lehrapparates jährlich 4 Thaler aufzubringen und an die Schulkasse zu zahlen.

6.Desgleichen vom Bahnhof Passow jährlich circa 5 hlr. laut Verfügung der Königlichen Regierung vom 14. August 1863 (II L 3383)
7.16 7/10 Quadratmeter gleich 5 Klafter Buchen-Reisigholz I. Klasse Deputat aus der Königlichen Gramzower Forst. Die Anfuhr des Holzes hat der Domänepächter zu leisten.

IV. Aktive Kapitalien auch Wertpapiere sind nicht vorhanden.

V. Veränderliche Einnahmen bestehen in dem Schulgelde, das von allen Kindern gezahlt wird. Der Lehrer zieht dasselbe ein und bekommt davon 11/12 während 1/12 der Schulkasse zufließt.

VI. Inventarium der Mobilien: Es sind vorhanden in der Schulstube: 3 Tische und 5 Bänke- sehr defekt, 1 schwarze Wandtafel, 4 Wandkarten, die Hirschberger Bibel, 12 Wandfiebeln von Baumgarten, die neuen Maße von Pappe, 40 Vorschriften, Tabelau der deutschen Kaiser, verschiedene gebundene Bücher.

VII. Passiva Kapitalien und ständige Lasten Nicht vorhanden

Nach dem Tode des Oberamtmann Engel übernahm der Amtmann Siemon die Pachtung von Wendemark, behielt aber nur 1 Jahr die Pachtung und trat dieselbe gegen 48000 M Abstand an den Amtmann Rostoski im Jahre 1870 ab. In diesem Jahre wütete die Cholera überall sehr stark und auch der damalige Lehrer Reimer starb an der selben.

Am 1. Oktober 1871 wurde dem Lehrer Rademacher, welcher den Feldzug gegen Frankreich mitgemacht hatte, die Stelle von der Königlichen Regierung übertragen. Der damalige Pächter Rostoski einigte sich mit demselben dahin, dass er ihm für die freie Station jährlich 300 M gab. Da die Domäne Wendemark nur von Tagelöhnern bewohnt wurde, der Lehrer aber unmöglich bei einem derselben essen konnte, so verheiratete sich derselbe. Die Hochzeit fand am 31. Dezember 1871 statt. Bis dahin hatte der Lehrer als Wohnung eine Kammer gehabt. Nur wurde die bisherige Schulstube Wohnung des Lehrers und die Schulstube nach einem anderen Familienhause verlegt. Je nach Laune des Amtmannes wurde nun die Schulstube in alle Häusern Wendemarks verlegt, sodass beispielsweise in einem Jahre 3 mal das Schullokal gewechselt wurde.
Im Jahre 1874 rev. der Schulrat Eismann die Schule und meinte, dass er berechtigt sei, die Schule zu schließen, da das Schullokal lebensgefährlich wäre. Die Decke drohte nämlich einzustürzen und war gestützt.
Trotzdem unterblieb der Neubau des Schulhauses noch bis zum Jahre 1882.
Von den Gemeindemitgliedern waren bereits seit 30 Jahren Schulhausbaugelder gezahlt, und zwar mußte jeder Einwohner die Hälfte seiner Klassensteuer dazu beitragen. Im Jahre 1882, als mit dem Neubau des Schulhauses begonnen wurde, waren circa 5000 M gesammelt. Im Jahre 1878 machte der bisherige Pächter Rostoski bankrott und wurde von der Königlichen Regierung ein Administrator gesendet, der das Gut bis Johanni 1879 bewirtschaften mußte.
Dann wurde Wendemark aufs Neue verpachtet und zwar auf 18 Jahre an den Amtsrat Saenger in Schmölln, der die Domäne seinem ältesten Sohn übergab. Von da ab blieb das Schullokal in demselben Hause, wo der Lehrer wohnte, bis endlich im Jahre 1882 ein neues Schulhaus gebaut wurde.
Dem Lehrer wurden nun 5 Morgen Land und 2 Morgen Wiese von der Königlichen Regierung überwiesen. Das Gehalt des Lehrers wurde jetzt so geregelt, dass die Gutsherrschaft statt der freien Station dem Lehrer jährlich 207,50 M zu geben hat, 92,50 M werden auf die 5 Morgen Land und 2 Morgen Wiese gerechnet. Das bare Gehalt des Lehrers beträgt 810 M außer Alterszulage. Die Wohnung, welche außer der Schulstube aus 3 heizbaren Zimmern besteht, wird 120 M gerechnet. Außer 16,7 m Holz, welche aus der Königlichen Forst Gramzow jährlich geliefert werden, erhält der Lehrer 74 M Holzgeld.
Am 1. Oktober übernahm Amtmann Schreyer die Pachtung von Wendemark und zahlte den Erben des am 2. Sept. 1893 verstorbenen Amtsrat Saenger in Schmölln 70.000 M.
Am 11. Nov. verheiratete sich derselbe mit Fräulein Charlotte de Heureuse aus Schmotzdorf.
1889

Schülerzahl
41

Knaben:
20
Mädchen
21
Davon besuchten
die I Klasse
18
Kinder
Die II Klasse
23
Kinder
Konfirmiert wurden
5
Kinder




Osterprüfung am:
09. April 89

Osterferien
vom 18. bis 28. April 89
Pfingstferien
vom 09. bis 12. Juni 89
Sommerferien
vom 21. Juli. bis 10. August
Schulprüfung
am 27. 09. rev. der Herr Schulrat Böckler hiesige Schule und war im Ganzen mit den Leistungen zufrieden
Herbstferien
vom 29. September bis 19. Oktober 89
Weihnachtsferien
vom 22. Dezember 89 bis 2. Januar 1890

1890

Schülerzahl
40

Knaben:
25
Mädchen
15
Davon besuchten
die I Klasse
14
Kinder
Die II Klasse
26
Kinder
Konfirmiert wurden
4
Kinder


Krankheit
Vom 8. Januar bis 22 Januar waren Ferien wegen Krankheit des Lehrers. Dann kam der Lehrer Neve aus Briest und unterrichtete bis zum 1. Februar.

Wahl
Am 20. Februar fiel der Unterricht wegen Reichstagswahl aus.

Osterprüfung am:
21. März 90




Osterferien
Vom 03. bis 12. April 90
Pfingstferien
Vom 24. bis 28. Mai 90
Sommerferien
Vom 21. Juli. bis 10. August
Konferenz
Am 24. Sept. fiel der Unterricht aus, General-Conferenz in Gramzow
Herbstferien
Vom 25. September bis 15. Oktober 90
Am 25. Okt. 1890 wurde in der Schule die Moltkefeier veranstaltet.
Am 15. Dez. 1890 rev. Herr Pastor Hanse die Schule.
Weihnachtsferien
Vom 24. Dezember 90 bis 4. Januar 1891

1891

Schülerzahl
44

Knaben:
24
Mädchen
20
Davon besuchten
die I Klasse
16
Kinder
Die II Klasse
28
Kinder
Konfirmiert wurden
3
Kinder





Am 5.6.u.7. Febr. Lehrer krank
Osterprüfung am:
17. März 91

Osterferien
Vom 26. März bis 5. April 91
Pfingstferien
Vom 16. bis 20. Mai 91
Sommerferien
Vom 02. August bis 23. August
Am 2. September wurde das Sedanfest gefeiert
Herbstferien
Vom 27. September bis 21. Oktober 91
Am 12. Dezember rev. Herr Pastor Hanse die Schule.
Weihnachtsferien
Vom 24. Dezember 91 bis 4. Januar 1892

1892

Schülerzahl
46

Knaben:
23
Mädchen
23
Davon besuchten
die I Klasse
18
Kinder
Die II Klasse
28
Kinder
Konfirmiert wurden
5
Kinder



Krankheit
Am 19 und 20. Februar Lehrer krank
Osterprüfung am:
05. April 92

Osterferien
vom 14. April bis 24. April 92
Pfingstferien
vom 05. bis 09. Mai 92
Sommerferien
vom 31. Juli bis 21. August
Am 31. August Conferenz in Gramzow
Am 2. September Feier des Sedanfestes
Herbstferien
vom 02. bis 22. Oktober 92
Am 22. November rev. Herr Pastor Hanse hiesige Schule.
Weihnachtsferien
vom 24. Dezember 92 bis 02. Januar 1893

1893

Schülerzahl
47

Knaben:
25
Mädchen
22
Davon besuchten
die I Klasse
20
Kinder
Die II Klasse
27
Kinder
Konfirmiert wurden
6
Kinder



Krankheit
Vom 18. März bis 09. April war Lehrer krank in dieser Zeit lagen auch zugleich die Osterferien Osterprüfung fiel deshalb aus.


Pfingstferien
vom 21. bis 25. Mai 93
Am 9.Juli rev. Herr Pastor Hanse hiesige Schule
Sommerferien
vom 30. Juli bis 19. August 93
Herbstferien
vom 01. Oktober bis 22. Oktober 93
Am 2. Nov. Rev. Herr Pastor Hanse hiesige Schule
Weihnachtsferien
vom 24. Dezember 93 bis 2. Januar 1894
Schulprüfung
Der Kreisschulinspektor am 08. Februar 94

1894

Schülerzahl
43

Knaben:
20
Mädchen
23
Davon besuchten
die I Klasse
19
Kinder
Die II Klasse
24
Kinder
Konfirmiert wurden
4
Kinder



Osterferien
vom 22. März bis 01. April 94
Pfingstferien
vom 13. bis 17. Mai 94
Schulprüfung am 04. Juni durch Herrn Pastor Hanse
Sommerferien
vom 29. Juli bis 19. August 94
Herbstferien
vom 30. September bis 21. Oktober 94
Schulprüfung am 29. Oktober 94 durch Herrn Pastor Hanse
Weihnachtsferien
vom 24. Dezember 94 bis 02. Januar 1895

Schulprüfung kam der Kreisschulinspektor Pastor Hanse am 31. Januar 95

1895

Schülerzahl
42

Knaben:
24
Mädchen
18
Davon besuchten
die I Klasse
17
Kinder
Die II Klasse
25
Kinder
Konfirmiert wurden
6
Kinder



Osterferien
vom 07. bis 17. April 95
Pfingstferien
vom 02. bis 07. Juni 95
Am 27. Juni rev. Herr Pastor Hanse hiesige Schule
Sommerferien
vom 28. Juli bis 18. August 95
Am 02. September wurde das Sedanfest in hervorragender Weise gefeiert
Am Nachmittag fand ein Spaziergang mit Lehrer und Kindern statt.
Herbstferien
vom 30. September bis 21. Oktober 95
Schulprüfung am 29. Oktober 95 durch Herrn Pastor Hanse
Weihnachtsferien
vom 24. Dezember 95 bis 02. Januar 1896
Am 18. Januar wurde eine Schulfeier veranstaltet aus Anlaß des 25- jährigen Bestehen des deutschen Reiches.
Am 27. Jan. wurde ebenfalls der Geburtstag Kaiser Wilhelm II ganz besonders gefeiert.

1896

Schülerzahl
45

Knaben:
25
Mädchen
20
Davon besuchten
die I Klasse
20
Kinder
Die II Klasse
25
Kinder
Konfirmiert wurden
4
Kinder


Schulprüfung
Am 28. Jan. rev. Herr Kreisschulinspektor Pastor Hanse hiesige Schule
Osterferien
vom 02. bis 12. April 96
Pfingstferien
vom 24. bis 28. Mai 96
Sommerferien
vom 26. Juli bis 16. August 96
Herbstferien
vom 27. September bis 18. Oktober 96
Schulprüfung am 23. November 96 rev. Herr Pastor Hanse hiesige Schule
Weihnachtsferien
vom 24. Dezember 96 bis 03. Januar 1897

Am 30. Dez. 96 feierte Herr Lehrer Rademacher im Kreise seiner Verwandten und Freunde seine silberne Hochzeit.

1897

Schülerzahl

37


Knaben:
24
Mädchen
13

Davon besuchten
9
Kinder die
Mittelklasse
19
Kinder die Unterstufe
Konfirmiert wurden
4
Kinder


Am 27. Januar wurde der Geburtstag Sr. Maj. des Kaisers in der Schule durch Ansprache, Gesang und Gebet gefeiert.
Am 16. Jan. wurde der 400- jährige Geburtstag Philipp Melanchthons in hiesiger Schule gefeiert.
Am 22. und 23. März wurde der 100-jährige Geburtstag Kaiser Wilhelm I durch Ansprache, Gesang und Gebet in hervorragender Weise gefeiert.
Vom Donnerstag Nachmittag als den 25. März bis 27. März fiel der Unterricht aus. Lehrer wurde plötzlich krank.
Am 29. März rev. Herr Kreisschulinspektor Pastor Hanse hiesige Schule.

Osterferien
vom 11. bis 21. April 97 Anfang der Sommerschule
Pfingstferien
vom 06. bis 10. Juni 97
Sommerferien
vom 25. Juli bis 15. August 97
Herbstferien
vom 26. September bis 17.Oktober 97
Weihnachtsferien
vom 23. Dezember 97 bis 02. Januar 1898

Am 13. Sept. 1897 war zur Regelung des Lehrergehaltes eine Gemeindeversammlung anberaumt, wozu leider nur der Schulvorstand, bestehend aus dem Herrn Pastor Hanse, Amtmann Schreyer und dem Bahnhofswirt Niederberger erschienen war. Es wurde festgesetzt, dass vom 1. April 1897 der jetzige Lehrer 900 M Grundgehalt und alle 3 Jahre 100 M Alterszulage erhalten solle. Bisher hatte der Lehrer 74 M Holzgeld und 81 M Grundgehalt gehabt. Von dem Holzgeld wurden 60 M zum Grundgehalt zugerechnet, sodass die Stelle um circa 30 M aufgebessert ist.

1898

Schülerzahl
38 Kinder


21
Knaben:
17
Mädchen

Davon besuchten
9
Kinder die
Oberklasse
8
Kinder die Mittelstufe
21
Kinder die Unterstufe
Konfirmiert wurden
6
Kinder


Am 10. Jan. wurde die Schule durch Herrn Kreisschulinspektor Pastor Hanse rev.

Osterferien
vom 03. Bis 13. April 98 Anfang der Sommerschule
Pfingstferien
vom 29. Mai. bis 02. Juni 98
Sommerferien
vom 24. Juli bis 22. August 98 es waren in diesem Jahre 4 Wochen Hundsferien, weil Lehrer krank
Herbstferien
vom 02. Oktober bis 22. Oktober 98
In diesem Jahre wurden 2 Generalkonferenzen abgehalten. Die letzte fand am 30. Nov. in Gramzow statt.
Weihnachtsferien
Vom 22. Dezember 98 bis 02. Januar 1899

1899

Schülerzahl
38 Kinder


21
Knaben:
17
Mädchen

Davon besuchten
6
Kinder die
Oberklasse
6
Kinder die Mittelstufe
26
Kinder die Unterstufe
Konfirmiert wurden
6
Kinder
4 Mädchen und 2 Knaben

Der Geburtstag Sr. Maj. des Kaisers wurde am 27. Jan. in üblicher Weise gefeiert.
Am 16. Jan wurde die Schule durch den Kreisschulinspektor Hanse rev.

Osterferien
vom 30. März. bis 09. April 99
Pfingstferien
vom 20. bis 24. Mai 99
Die erste diesjährige Bezirkskonferenz wurde am 25. Mai und am 27. Juni die erste General-Conferenz abgehalten. In der letzten wurde namentlich über das Züchtigungsrecht der Lehrer verhandelt.
Sommerferien
vom 30. Juli bis 20. August 99
Am 26. August wurde der Lehrer Rademacher plötzlich krank und war dann bis 2. Sept. kein Unterricht. Vom 4. bis 16. Sept. wurde der Unterricht nachmittags von 2 bis 4 Uhr durch den 2. Lehrer in Briest (Hellmuth) erteilt, und zwar nur wiederholend in Religion, Deutsch und Rechnen.
Herbstferien
vom 01. bis 22. Oktober 99
Weihnachtsferien
vom 24. Dezember 99 bis 04. Januar 1900

Am 24. Dez. wurde zu Anfang des Unterrichtes auf Befehl des Herrn Ministers auf die Bedeutsamkeit der Jahrhundertwende in einem festlichen Akte ein Rückblick auf die großen Ergebnisse des Jahrhunderts hingewiesen.
Auch in diesem Jahr sind 2 Generalkonferenzen abgehalten, die letzte war am 04. Januar in Gramzow.





1900

Schülerzahl
33 Kinder


19
Knaben:
14
Mädchen

Davon besuchten
5
Kinder die
Oberklasse
5
Kinder die Mittelstufe
23
Kinder die
Unterstufe
Konfirmiert wurden
4
Kinder
2 Mädchen und 2 Knaben


Am 27. Jan wurde der Geburtstag Sr. Maj. des Kaisers durch Ansprache, Gesang und Gebet gefeiert.
Schulprüfung
Am 6. Febr. wurde die Schule durch Herrn Schulinspektor rev.

Osterferien
vom 12. bis 22. April
Am 6.Mai wurde auf Anordnung Sr.Maj. des Kaisers auf die Bedeutung der Großjährigkeitserklärung des Kronprinzen hingewiesen.
Pfingstferien
vom 03. bis 07. Juni
Die erste Bezirkskonferenz wurde am 30. Mai, die 2. am 20. Juni und die dritte am 22. August abgehalten. Die diesjährige General-Konferenz findet am 26. Sept. statt.
Sommerferien
vom 29. Juli bis 19. Aug.
Herbstferien
vom 30. Sept. bis 20. Oktober
Weihnachtsferien
vom 23. Dezember 99 bis 02. Januar 1901

Auch in diesem Jahre wurden 2 General-Konferenzen abgehalten, die 2. erst am 29. Jan 1901.
Am 18. Jan. wurde auf Befehl Sr. Maj. des Kaisers das 200 jährige Bestehen des Königreichs Preußen festlich begangen.
In diesem Jahr grassierten die Masern unter den Kindern, sodass zu Zeiten nur 4 und 5 Kinder zur Schule kamen, trotzdem wurde die Schule nicht geschlossen.

1901

Schülerzahl am 3. Jan.
35 Kinder


20
Knaben:
15
Mädchen

Davon besuchten
Eine Oberklasse ist
nicht vorhanden
15
Kinder die Mittelstufe
20
Kinder die
Unterstufe
Konfirmiert wurden
3
Kinder
2 Knaben und 1 Mädchen, Letztere ist seit Oktober vom Schulunterricht dispensiert

Schulprüfung
Am 14. Feb. wurde die Schule durch Herrn Kreisschulinspektor rev.

Osterferien
vom 31. März bis 10. April
Pfingstferien
vom 25. bis 29. Mai
Am 7. Juni kam der Herr Superintendent (Name nicht gut lesbar) um eine Kirchen- u. Schulvisitation abzuhalten, wozu sämtliche Prediger und Lehrer nach Gramzow zunächst zusammenkamen.
Sommerferien
vom 22. Juli bis 18. Aug.
Die erste Bezirkskonferenz wurde am 28.August, die 2. am 25.Sept. in Gramzow abgehalten.
Herbstferien
vom 22. Sept. bis 19. Oktober
Weihnachtsferien
vom 22. Dezember bis 02. Januar 1902

1902

Schülerzahl am 2.Jan.
46 Kinder


27
Knaben:
19
Mädchen

Davon besuchten
8

Kinder die Oberstufe
12
Kinder die Mittelstufe
26
Kinder die Unterstufe
Konfirmiert wurden
3
Kinder
2 Mädchen und 1 Knabe

Schulprüfung
Am 13. März. wurde die Schule durch Herrn Kreisschulinspektor rev.

Osterferien
vom 21. März bis 03. April
Am 13. Mai war der Herr Medizinalrat Dr. Bender hier, um die Schule
betreffs Gesundheitspflege zu rev.. Die gefundenen Mängel sind zumeist beseitigt worden.
Pfingstferien
vom 18. bis 22. Mai
Sommerferien
vom 27. Juli bis 17. Aug.
Die erste Bezirkskonferenz wurde am 14. Juni, die 2. am 20. Aug und die Generalkonferenz am 14. September in Gramzow abgehalten.
Am 2. Sept. wurde das Sedanfest mit Gesang und Gebet und in einer Ansprache seitens des Lehrers gefeiert.
Herbstferien
vom 28.Sept. bis 19. Oktober Anfang der Winterschule
Weihnachtsferien
vom 20. Dezember bis 02. Januar 1903

1903

Schülerzahl am 2. Jan.
41 Kinder


25
Knaben:
16
Mädchen

Davon
19

Kinder die 1. Klasse
22
Kinder die
Unterstufe
Konfirmiert werden
zu Ostern
3
Kinder
nämlich 2 Mädchen und 1 Knabe

Osterferien
vom 05. April bis 15. April
Neu aufgenommen werden am 16. April 8 Kinder, sodass die Schülerzahl 46 beträgt.
Am 19. April d.J. war ein solch Schneegestöber, dass Wege und Eisenbahn mehrere Tage unpassierbar waren.
Pfingstferien
vom 30. Mai bis 04. Juni
Am 4. Juni war die erste diesjährige Bezirks-Konferenz
Sommerferien
vom 26. Juli bis 16. Aug.
Herbstferien
vom 27. Sept. bis 18. Oktober
Weihnachtsferien
vom 23. Dezember 1903 bis 02. Januar 1904

Am 8. Februar rev. der Herr Kreisschulinspektor Sup. Frohner die hiesige Schule.

Osterferien
vom 24. März bis 10. April
Konfirmiert wurden
8
Kinder
7 Knaben und 1 Mädchen

1904

Schülerzahl am 1. April 1904
45 Kinder

und zwar
25
Knaben:
20
Mädchen

Davon besuchen
20

Kinder die 1. Klasse
25
Kinder die 2. Klasse


Zum Konfirmandenunterricht gehen 12 Kinder.


Davon werden 6 Kinder konfirmiert.
In diesem Jahr wurde endlich ein Damm von Wendemark nach dem Bahnhof gelegt, sodass die Kinder vom Bahnhof nun endlich einen besseren Schulweg haben

Osterferien
vom 31. März bis 10. April
Pfingstferien
vom 21. bis 26. Mai
Sommerferien
vom 24. Juli bis 14. August
Herbstferien
vom 29. Sept. bis 21.Oktober
Weihnachtsferien
vom 23. Dezember 04 bis 02. Januar 05
Am 24. März wurde die Schule durch den Kreisschulinspektor revidiert.

Osterferien
vom 15. bis 27. April
Konfirmiert wurden
6 Kinder 3 Knaben und 3 Mädchen

1905

Schülerzahl am 1.April 1905
40 Kinder

und zwar
22
Knaben:
18
Mädchen
Davon besuchen
16

Kinder die I. Klasse
24
Kinder die II. Klasse
Zum Konfirmandenunterricht gehen 11 Kinder, davon werden 5 konfirmiert


Osterferien
vom 15. bis 27. April
Pfingstferien
vom 11. Bis 15 .Juni
Sommerferien
vom 26. Juli bis 16. August
Herbstferien
vom 23. Sept. bis 16. Oktober
Weihnachtsferien
vom 23. Dezember 04 bis 02. Januar 05
Am 01. Oktober 1905 schied der Lehrer Rademacher aus seinem Amte,
welches er 35 Jahre ununterbrochen hier verbracht hatte, und zog nach Prenzlau.

Vom 1. April des Jahres 1905 ab ist das Grundgehalt des Lehrers dadurch um 100,00 M erhöht worden, dass die Königliche Regierung eine Beihilfe von jährlich 86,00 M bewilligte und die volle Summe des Holzgeldes in das Gehalt eingerechnet wurde, während vorher von den für diesen Zweck ausgesetzten 74,00 M nur 60,00 M eingerechnet waren. Das Einkommen des Lehrers erhöhte sich also auch nur um 86,00 M. Hinsichtlich der Alterszulage blieb es noch bei dem Mindestsatz von 100,00 M.
Nachfolger des Lehrers Herrn Rademacher vom 1. Oktober 1905 ab wurde der Lehrer Erich Gruner.

Die Schule wurde zu Michaelis 1905 von 25 Knaben und 19 Mädchen besucht, am Konfirmanden- unterricht nahmen 5 Knaben und 6 Mädchen teil.
Die Zahlen für die 3 Stufen sind folgende:
Oberstufe 6 Knaben, 7 Mädchen
Mittelstufe 8 Knaben, 3 Mädchen
Unterstufe 11 Knaben, 9 Mädchen
25 Knaben, 19 Mädchen
Die Handarbeitsunterrichtsstunde erteilt vom 1. Oktober 1905 ab die Ehefrau des hiesigen Schmiedes Krause.

Die Reinigung der Schulstube, die früher durch die Schulkinder ausgeführt wurde, ist von dem oben genannten Termin ab einer Frau übertragen worden.
Vom 09. März bis 2. Mai war Herr Gruner zur Ablegung einer militärischen Übung nach Posen eingezogen. Den Unterricht erteilte mit 3 bez. 2 Vormittagsstunden Herr Benda aus Briest.
Die Schulprüfung fiel deshalb aus.

1906

Am Palmsonntag 1906 wurden 3 Knaben und 3 Mädchen konfirmiert. Aufgenommen wurden Ostern 1906 2 Knaben und 4 Mädchen.
Die Schülerzahl war an demselben Termin 45, 24 Knaben und 21 Mädchen.
Weil durch Zuzug von Arbeitern zu Michaelis 1906 die Zahl der Schulkinder auf 52 stieg, wurde auch für das Winter-Semester die Halbtags-Schule eingerichtet, da das Schulzimmer für eine solche Zahl Schüler nicht ausreichend ist.
Am 29. Oktober 1906 verstarb der Schüler August Schimmelpfennig, Sohn des Bahnarbeiters Sch., durch einen Sturz von einem fahrenden Wagen.
Gehaltserhöhung

Am 7. November 1906 erklärte sich die Versammlung der Hausväter im Wendemarker Schulbezirk mit der von der Königl. Regierung festgesetzten Gehaltserhöhung einverstanden. Das Grundgehalt der Stelle wurde von 1000 M auf 1100 M erhöht. Der Betrag Alterszulagen wurde auf 120 M festgesetzt, die Gehaltsaufbesserung datiert vom 01. April 1906 ab zurück.

1907

Konfirmiert wurden am Palmsonntag 1907 2 Knaben und 5 Mädchen.

Ostern 1907 verließ der Lehrer Gruner Wendemark, um in den Gemeindeschuldienst der Stadt Berlin einzutreten.
April 1907 übernahm der Lehrer (Schulamtskandidat) Wellhausen als Nachfolger des Herrn Lehrer Gruner die Verwaltung der Schulstelle zu Wendemark. Die Einführung, sowie die Vereidigung desselben fand am 5. April statt.
Ostern 1907 wurden 1 Knabe und 5 Mädchen neu aufgenommen. Die Schülerzahl beträgt 44, und zwar 19 Knaben und 26 Mädchen.
Am 29. Oktober 1907 revidierte Herr Kreisschulinspektor Pastor Boy aus Potzlow die hiesige Schule.
Im Frühjahr 1908 herrschten im hiesigen Ort die Masern, an denen auch der Lehrer erkrankt war. Aus dem Grunde wurde die Schule vom 22. März bis zu den Osterferien, die am 11. April begannen, geschlossen. Während der Ferien jedoch erlosch die Epidemie, sodass am 27. April der Unterricht wieder aufgenommen werden konnte.
Am Palmsonntag dieses Jahres wurden zwei Knaben und 2 Mädchen konfirmiert. Aufgenommen wurden Ostern 1908 3 Knaben und 2 Mädchen.

1908

Am 01. Juli 1908 wurde von der Königl. Regierung die einstweilige Anstellung des Lehrers, der bis dahin wegen noch nicht endgültig geregelter Militärverhältnisse nur auftragsweise beschäftigt war, verfügt.
Am 07. September revidierte der Herr Kreisschulinspektor die hiesige Schule.
Am 1. April 1908 trat auch in hiesigem Orte das neue Volksschulunterhaltungsgesetz vom 28. Juli 1906 in Kraft. Den Vorsitz des Schulvorstandes erhielt Herr Oberamtmann Schreyer. Der Schulvorstand setzte sich aus 5 Mitgliedern zusammen, und zwar:
Herrn Oberamtmann Schreyer, Herrn Stationsvorsteher Voß vom Bahnhof Passow, Herrn Weichensteller Holz, Herrn Statthalter Neuendorf und Herrn Lehrer Wellhausen.

Am 19. Nov. 1908 unterzog der Herr Kreisarzt Dr. Heyer die gesundheitlichen Verhältnisse an der hiesigen Schule einer Revision, mit dem Erfolge, dass einige kleine Mängel zu beseitigen seien.

Am Palmsonntag 1909 wurden 4 Knaben und ein Mädchen konfirmiert.
Aufgenommen wurden 3 Knaben und 1 Mädchen.

1909

Vom 5. bis 10. Juni 1909 fand an dem Königl. Schullehrerseminar zu Prenzlau die 2. Lehrerprüfung statt, an der auch der Lehrer Wellhausen mit Erfolg teilnahm.
Nach dem neuen Lehrerbesoldungsgesetz vom 26.Mai 1909 wurde auf Beschluss des Schulvorstandes das Gehalt des Lehrers erhöht.
Das Grundgehalt beträgt 1400 M. Davon erhält der Lehrer, da er noch nicht endgültig angestellt ist oder nicht 4 Jahre im öffentlichen Dienst steht, 1/6 weniger. Der Barbetrag seines Gehaltes beträgt also 1166,67 M.
Aufgrund der im Juni 1909 bestandenen 2. Lehrerprüfung wurde der Lehrer Wellhausen im November 1909 endgültig angestellt.
Ostern 1909 wurden 3 Schüler konfirmiert, und zwar 2 Knaben und 1 Mädchen. Neu aufgenommen wurden 6 Schüler 2 Mädchen und 4 Knaben.
Die gesamte Schülerzahl der Schule betrug 48, und zwar 26 Knaben und 22 Mädchen.

1910

Am 15. September 1910 wurde die hiesige Schule einer Revision durch den Kgl. Kreisschulinspektor Herrn Pastor Boy aus Potzlow unterzogen.
Ostern 1910 verließen 8 Schüler die hiesige Schule u. zwar 4 Knaben und 4 Mädchen.
Im Mai 1911 fasste der hiesige Schulvorstand den Beschluss, die Kgl. Regierung in einer Eingabe zu bitten, die Vergrößerung des Schulzimmers und damit gleichzeitig eine Vergrößerung der Lehrerwohnung zu veranlassen.

1911

Wie schon einmal vor Jahren, so fanden auch in diesem Jahr 1911 die Divisions- und Brigademanöver der Garde in der Uckermark statt. Auch in der Nähe unseres Ortes fanden recht interessante Gefechtsübungen statt. Es bot einen prächtigen Anblick, das Gefecht zwischen der blauen Partei einerseits und der roten andererseits am Morgen des 7. September zu beobachten. Auf den Anhöhen von Wendemark hatte die eine Partei (blau) Stellung genommen, während die andere Partei (rot) die bewaldeten Höhen jenseits des Randowtales in Pommern besetzt hielt. Während sich unsere blaue Partei immer weiter zurückzog, brachen in gewaltigen Massen die Regimenter der roten Partei aus dem Walde jenseits der Randow heraus. Das Gefecht verschob sich infolgedessen weiter nach Westen bis in die Nähe von Golm und Briest. Auf Anordnung des Herrn Ortsschulinspektors fiel an diesen Tagen der Unterricht aus, und der Lehrer verfolgte mit den größeren Schülern das interessante Schauspiel. Am Abend desselben Tages hatte das Garde-Schützenbataillon in unmittelbarer Nähe des Ortes ein Biwak aufgeschlagen, das von den Bewohnern des Dorfes und zumal von den Kindern fleißig besucht wurde. Da im nördlichen Teile der Uckermark die Kaisermanöver stattfanden, so unternahm auch während dieser Zeit das in Prenzlau stationierte lenkbare Parseval-Luftschiff Übungs- und Erkundungsfahrten. Auf einer dieser Fahrten kam das Luftschiff am Vormittag des 11. September auch bis in die Nähe unseres Ortes. Da in der Nähe von Wendemark ein lenkbares Luftschiff noch niemals beobachtet worden ist, so erstieg Alt und Jung, auch der Lehrer mit seinen Schülern, die Wendemarker Anhöhen, um von hier aus die Übungsfahrten des Luftschiffes zu beobachten.

1912

Am 9. Januar fand die Revision der Schule durch den Kreisschulinspektor Herrn Pfarrer Werkend in Greiffenberg statt.
Ostern 1912 wurden 1 Mädchen und 6 Knaben konfirmiert. Die Zahl ging damit zurück, da nur 2 Mädchen und 1 Knabe neu aufgenommen wurden, die beträgt 39, und zwar 22 Mädchen und 17 Knaben. Am 17. September desselben Jahres erfolgte die Eheschließung des Lehrers.
Oktober 1912 verließ der Lehrer Fritz Wellhausen Wendemark und trat in den Schuldienst der Stadt Schwedt a.O. über.

Vom 01. Oktober 1912 ab wurde die Veranstaltung der Schulstelle Wendemark von der Kgl. Regierung dem Schulamtskandidaten Buchin übertragen. Die Vereidigung sowie die Einführung desselben fand am 21. Oktober durch den Ortsschulinspektor Herrn Pastor Hanse im Beisein des Schulvorstandes, der durch Amtsrat Schreyer vertreten war, statt.






1913

Ostern 1913 wurden 4 Mädchen und 1 Knabe konfirmiert. Neu aufgenommen wurden 2 Knaben und 2 Mädchen.
Oberstufe 5 Mädchen, 5 Knaben
Mittelstufe 7 Mädchen, 9 Knaben
Unterstufe 7 Mädchen, 3 Knaben
19 Mädchen 17 Knaben Gesamtzahl 26

Am 16. Juni wurde das 25 jährige Regierungsjubiläum unseres Kaisers gefeiert. Nach einer Feier in der Klasse machte der Lehrer mit den Kindern der Ober- und der Mittelstufe einen Spaziergang nach Gramzow.


Moorkultur in Wendemark

In der Nähe Wendemarks liegt das Randowbruch. Noch vor einigen Jahren war dies eine sehr sumpfige Wiesenlandschaft. In jedem Jahre wurden sie längere Zeit unter Wasser gesetzt. Wegen des
hohen Wasserstandes wuchsen hier nur saure Riedgräser, die nur geringen Futterwert haben. Durch die Tieferlegung des Randowspiegels wurde das Moor trocken. Nun begann Herr Amtsrat Schreyer die Durchführung der Moorkultur. Seine Bestrebungen wurden von der Kgl. Regierung weitgehend unterstützt, damit aber den Anwohnern der Randow gezeigt wurde, was unser Moor bei richtiger Bewirtschaftung leisten kann.
Durch Quergräben und Dräns wurde das Moor noch sehr entwässert. Dann wurde die alte Grasnarbe umgepflügt. Hierzu wurden eigens dazu konstruierte Pflüge benutzt. Es kommt nämlich darauf an, dass das Gras vollständig nach unten kommt. Nachdem das Moor festgewalzt worden war, wurde es durch Scheibeneggen zerkleinert. In den Moorboden wurde nun, wenn er wieder zur Wiese gemacht werden soll, der Grassamen eingesät. Diese Wiesen liefern nun vorzügliches Gras in sehr erheblichen Mengen. Der Wert der Wiesen ist so um das 5-fache gesteigert.
Doch kann das Moor auch als Ackerboden genutzt werden. Hierzu unterscheidet man die unbesandeten und die besandeten Kulturen.
Bei der ersteren wird der Boden ohne weiteres bestellt. Bei der letzteren wird erst noch das Moor mit einer etwa 10 cm dicken Erdschicht bedeckt. Ursprünglich nahm man hierzu reinen Sand. Das hat sich jedoch nicht bewährt. Der Wind verweht diesen zu leicht, und die zarten Pflanzen wurden von den scharfen Quarzkörnern, die der Wind gegen sie wehte, direkt abgeschnitten. Darum besandet man jetzt mit gewöhnlicher, mehr lehmiger Erde. Das besandete Moor hat vor dem unbesandeten den Vorzug.
Auf dem unbesandeten Moor leiden die Pflanzen sehr unter den Nachtfrösten, während dies auf den besandeten Strecken nicht in dem Maße der Fall ist.
Von den Höhen gewährt das Moor jetzt einen herrlichen Anblick. Durch die Entwässerungsgräben ist es in lauter schmale Beete geteilt. Man glaubt, in einen Garten mit exakt abgetretenen Gemüsebeeten zu schauen.
2 Sichtvermerke mit der Bemerkung: Unvollständig! Unleserliche Unterschrift 24.VI.14

Im Jahre 1914 wurde das hiesige Schulhaus vergrößert. Schon am 24. April 1911 hatte der damalige Lehrer Wellhausen hierzu einen Antrag gestellt, weil die Schulstube zu klein und die Wohnung des Lehrers unzureichend war.
Durch Hinzunahme der kleinen Kammer hinter der Schulstube und des Flures wurde die Schulstube vergrößert. Die Lehrerwohnung wurde durch einen Anbau vergrößert. Hierdurch kamen 2 Stuben hinzu. Die kleine Stube wurde geteilt und teils zur Speisekammer Teils zum Flur verwendet. Im Keller wurde eine Waschküche, die bisher noch fehlte, eingebaut.

Grundriß einzeichnen



















1914


Das Jahr 1914 brachte Deutschland den Krieg. Aus der hiesigen Gemeinde nahmen am Kriege teil:
Otto Vilöhr, 2. Radtke, 3. O. Gohlicke, 4. Wilhelm Götting, 5. W. Hein, 6. Max Hein (eisernes Kreuz), 7. E. Schimmelpfennig, 8. F. Adermann, 9. Th. Adermann, 10. Karl Iven, 11. R. Gohlicke, 12. E. Neuendorf, 13. E. Meyer, 14.TH. Kekert, 15. Feyerabend (Landsturm), 16. Hans Schreyer,
17. Herr Muermann Leutnant d. Res. (eisernes Kreuz)

Sichtvermerk und Bemerkung: Ausführlicher !

Ein Feld tatkräftiger Vaterlandsliebe- und Begeisterung öffnete sich den Bewohnern der Umgegend, als nach dem Einbruch der Russen in Ostpreußen große Truppenmassen von Belgien nach Ostpreußen gesandt wurden. Tagelang rollten die Militärzüge mit Abstand von oft nur 20 Minuten auf unserer Strecke entlang. Hier in Passow hielten die Züge stets längere Zeit. Als dies bekannt wurde, eilten die Bewohner herbei, um die Vaterlandsverteidiger zu erquicken. Arm und Reich, jeder gab nach seinen Verhältnissen. Im Wartesaal häuften sich die Vorräte. Schinken, Wurst, Marmelade, Schmalz, Butter, Früchte, Eingemachtes, Milch und Kaffee wurden herbeigeschafft. Die Bäcker konnten nicht so viel Brot herbeischaffen. Da kam der schon längst vergessene Dorfbackofen wieder zu Ehren. Die Hausfrauen wetteiferten miteinander in der Herstellung selbstgebackenen Brotes. Frauen und Mädchen verarbeiteten sie zu appetitlichen Stullen. Kam dann der Zug, so eilten alle mit Körben und Bechern hinaus um die Soldaten zu erquicken. Im Nu waren die Körbe geleert und neue Vorräte wurden herangeschafft. Selbst in der Nacht wurde mit Ablösung gewacht, damit kein Transport ohne Erquickung blieb. Unzählige Dankkarten und Briefe liefen aus dem Feld ein. Und noch heute gedenkt manch einer von den damals Erquickten der Spender.
Als dann der Winter kam, wurde in den Familien und in der Schule eifrig gestrickt.
Strümpfe, Pulswärmer, Kopfschützer, Handschuhe wurden hergestellt.
Die Kinder verzichteten auf ihre Weihnachtsgeschenke und sandten dafür Pakete ins Feld. Große Freude herrschte dann, wenn sich der unbekannte Empfänger bedankte.
Als erster fiel Hans Schreyer, der Sohn des Pächters der hiesigen Domäne, auf dem Felde der Ehre. Auf einem Patrouillenritt in der Nähe von Grabowo wurde er am 10. Dez. 1914 tödlich getroffen. Sein Pferd, schwer verwundet, war ohne Reiter zurückgekehrt. Noch hoffen die Eltern, er wäre nur in Gefangenschaft geraten. Jedoch im Jahr 1915 konnte sein Vater in die Gegend reisen. Dort fand er das Grab seines Sohnes. Durch Öffnung des Grabes konnte durch die gefundene Erkennungsmarke festgestellt werden, dass es wirklich dieser war.
Dann starb der Sohn des Pferdeknechtes Adermann, der Musketier Max Adermann, an Typhus im Lazarett.
Dann kam die Kunde, dass der Schwiegersohn des Herrn Amtsrat Schreyer, Herr Leutnant Muermann, an der Spitze seiner Kompanie bei einem Sturmangriff gefallen war. Eine Handgranate hatte seinem Leben ein Ende gemacht.
Im starb Ernst Neuendorf, der Sohn des Statthalters Carl Neuendorf zu Rathenow, an Lungenentzündung, die er sich in den Schützengräben in Flandern geholt hatte.
Er wurde auf dem hiesigen Kirchhof mit militärischen Ehren begraben.
Der große Durchbruch der Franzosen im Oktober forderte auch in unserer Gemeinde ein Opfer. In der Champagne fiel Felix Zimmermann, am 12. Oktober auf dem Felde der Ehre.
Wunderbar gerettet wurde der Musketier Richard Gohlicke, Sohn des Arbeiters Karl Gohlicke, hierselbst. Eine Kugel durchbohrte seine Stirn oberhalb des Auges, ging hinter dem Auge hindurch und in der Schläfe wieder heraus. Leider ist dadurch das Augenlicht des einen Auges gänzlich erloschen, das andere Auge geschwächt.
Beide Augäpfel sind aber erhalten. Dieselbe Kugel tötete dann noch seinen Kameraden.
Fast dieselbe Verwundung erlitt der Sohn des Milchkühlers Luck hierselbst. Jedoch wurde bei dem das Augenlicht gar nicht geschädigt.
Es wurden später noch zum Kriegsdienst eingezogen:
Emil Lüdtke,Karl Wetzel jun.,Paul Adermann,Wilhelm Adermann,Wilhelm Luck sen.
Otto Albrecht, Ernst Zehms, Paul Neuendorf, Hermann Buchin

Auf dem Felde der Ehre sind gefallen:
Gefr. Hans Schreyer Drag. Regt. Nr. 2 10.12.1914
Max Adermann, Lt. Muermann, Felix Zimmermann, Ferdinat Adermann, Otto Radtke

Um mit unserem Brotgetreide zu reichen, wurden Brotkarten eingeführt nach umstehendem Muster. Die Erzeuger erhielten Mahlkarten. Hierdurch konnten wir durchhalten.
Die Preise wurden durch Höchstpreise geregelt. Das 4-Pfund-Brot kostete 70 Pf.
Eine Semmel von 80 g kostete 5 Pf. Weizenmehl das Pfund 25 Pf.
Die Schweine stiegen ins Unermessliche im Preis. Der Zentner Lebendgewicht wurde hier schon mit 135 M bezahlt. 1Pf. Schweinefleisch kostete 2,40 M Fassschmalz 3,15 M. Darum setzte die Regierung Höchstpreise für Schweine fest. Schweinefleisch 1 Pfund 1,40 M. Rohes Fett 1,80 M.
Im Jahr 1916 macht sich nun eine große Schweinenot bemerkbar. Nirgends sind Ferkel zu haben. 6 bis 8 Wochen alte Ferkel kosten 30 bis 40 M. Pölke werden pro Pfund mit 1,60 M bezahlt.
Ja, am 1.2.16 verlangt der Gastwirt W. Pintschovius in Passow, der seit dem Kriege einen schwunghaften Handel mit Schweinen betreibt, pro Pfund 2,20 M. Wer kann da noch Schweine füttern, wenn er nachher nur 100 M pro Zentner bekommt und Kartoffeln mit 4 M der Zentner bezahlt werden. Gerste und Kleie sind nicht zu bekommen.
1 l Milch kostet 20 Pf. schon hier.
1 Pf. Butter, Höchstpreis 2,55 M, die Angermünder Molkerei verlangt vor dem 3,00 und prophezeite 6,00 M. Da kam der Höchstpreis Petroleum sehr knapp, wird vom Staat verteilt, 2 l pro Monat.
Rumänisches Petroleum 1 l 0,65 M, wenig zu bekommen.

Ferkel kosteten im Februar 6 bis 8 Wochen alt 45 bis 48 M.
2 Sichtvermerke

1923

Am 23. November 1923 wanderte Otto Albrecht, geb. 16. 03. 98, nach Amerika aus.
Sein Onkel hat im Staat Wisconsin eine Farm. Diese soll er, da der Onkel keine Kinder hat, bekommen. Bald darauf schickte er für seine Eltern und seinen Freund Richard Neuendorf Freikarten. Am 23. Oktober 1924 wanderte Wilhelm Albrecht, der hier als Maschinist beschäftigt war, mit seiner Frau Anna, geb. Fiebelkorn, nach Amerika aus. Ihnen schloss sich Richard Neuendorf, geb. 4. 9. 02, Sohn des Kutschers Paul Neuendorf, an.

1925

Mitte Juni 1925 erkrankten die Schulkinder an Masern. Da nur noch 2 Kinder zur Schule kamen, musste am 25. Juni die Schule geschlossen werden. Am 12. August konnte wieder mit dem Unterricht begonnen werden.

Am Sonntag, dem 22. März, wurde in der Kirche zu Briest die Gedächtnistafel für die im Weltkriege gefallenen Mitglieder der Gemeinde Briest und Wendemark feierlich enthüllt.
Zeitungsartikel
Briest
Bei der am 22. des Monats vormittags 10.00 Uhr in unserer Kirche stattfindenden Einweihungsfeier der Kriegertafel wird sich das Programm in folgender Weise abwickeln.
Orgelvorspiel: Praeludium und Fuge von Bach d-Moll; Abkündigung; Piston mit Orgelbegleitung :
„Jerusalem du hochgebaute Stadt“. Vers 1 und 2; Gemeindegesang: Vers 3 und 4 desselben Liedes. Eingangsliturgie; Männerchor: Auferstehen, ja auferstehen wirst du;
Piston mit Orgel: Harre meiner Seele; Gedichtsvorträge durch Konfirmanden; Gemeindegesang: Nr. 649; Predigt; Enthüllung der Tafel.
Während die Hülle fällt, ertönt Glockengeläut und leise das Pistonsolo mit Orgel „ Ich hat einen Kameraden“, Vers 1 – 3. Kranzniederlegung; Männerchor: Anhang Nr. 40 Piston mit Orgel:“ Seelig sind die Verfolgung leiden; Gebet, Vaterunser, Segen; Schlusslied: Anhang 42, zu Ehren der Gefallenen von der Gemeinde stehend gesungen. Piston mit Orgel: Anhang Nr. 13; Orgelnachspiel.
Am 10. Mai 1926 übernahm die Regierung selbst die Bewirtschaftung der hiesigen Domäne. Der bisherige Pächter Amtsrat Schreyer, übernahm die Administration. Er soll im Auftrage der Regierung die Melioration der Randow- und Welsewiesen weiterführen und vollenden.

1926

Lebensrettung
Am Mittwoch, dem 4. August 1926, badeten mehrere Mädchen vom Bahnhof Passow und Wendemark in der Hochwasser führenden Welse in der Nähe des Stellwerkes Pnb.
Die 11 jährige Gertrud Sokolowski aus Pankow, die bei dem Weichenwärter H. Leider zu Besuch war, stellte sich auf einen Stein. Sie wurde von der herrschenden Strömung erfasst und in die tiefe Stelle gerissen.
Sie ging unter, kam zweimal hoch und verschwand dann. Auf das Geschrei der mitbadenden Mädchen kam Hermann Buchin, der 13 jährige Sohn des Lehrers Buchin, Wendemark, herbeigelaufen und sprang ohne sich zu besinnen ihr nach. Er konnte glücklicherweise den Arm der Verunglückten ergreifen und sie schwimmend ans Land ziehen. Erschwert wurde der Rettungsakt dadurch, dass sich das Mädchen in der Todesangst fest an den Retter klammerte und ihn dadurch selbst in Lebensgefahr brachte. Hervorzuheben ist, dass H.B. durchaus kein guter Schwimmer ist. Er hat niemals Schwimmunterricht gehabt, sondern hat das Schwimmen auf einem Brett selbst erlernt.
Im Juni 1937 erhielt er vom Regierungspräsidenten folgendes Schreiben:

Öffentliche Belobigung
Im Namen der Preußischen Staatsregierung
Der Schüler Hermann Buchin aus Wendemark, Kr. Angermünde hat am 4. August 1926 die Schülerin Gertrud Sokolowski aus Berlin-Pankow unter besonders erheblicher eigener Lebensgefahr vom Tode des Ertrinkens gerettet. Das Preußische Staatsministerium hat durch Erlass vom 30. März 1927 die Verleihung der Rettungsmedaille am Bande an Buchin solange ausgesetzt, bis er das 18. Lebensjahr vollendete haben wird und angeordnet, dass in seinem Namen diese mutige und entschlossenen Tat lobend zur öffentlichen Kenntnis gebracht wird.

Ich bringe diese mutige und entschlossenen Tat hiermit lobend zur öffentlichen Kenntnis.
Potsdam, den 3. Mai 1927
Der Regierungspräsident
i.A.
gez. V. Ziegesar






1927

Am 22. September 1927 wurde der 80. Geburtstag unseres Reichspräsidenten des Generalfeldmarschalls von Hintenburg gefeiert.

1928

Ostern 1928
Es wurden konfirmiert 2 Kinder.
Ein Schüler, Herbert Götze, bestand nach 3jährigem Grundschulbesuch die Aufnahmeprüfung für die Sexta.
Es wurden aufgenommen 3 Kinder.
Am 31. Oktober sah die Schule (als Reformationsfeier) den Lutherfilm in Angermünde.
Am xx.11.28 hörten die Kinder durch Radio die Landung des „Grafen Zeppelin“ in Berlin, am 01.11. den Schluss der Landung in Friedrichshafen.

Entstehung der Wendemarker Schule und ihrer ersten Lehrer

Herr Pastor Bartelt, Briest, stellte mir freundlicherweise seine Auszüge aus den Pfarrakten zur Ergänzung der Schulchronik zur Verfügung
Wendemark wurde als Köngl. Vorwerk 1730 neu erbaut. Es lag vorher wüst. Es gehörte jedenfalls früher zum Kloster Gramzow. Seit wann ist nicht bekannt. Die Kinder gingen zunächst nach Briest zur Schule. 1810 waren es nur 6 Kinder. 1839 waren es nach 10jährigem Durchschnitt 12. Der Schulbesuch dieser Kinder war besonders im Winter mit großen Schwierigkeiten verknüpft. So war einige Jahre vorher das Kind eines Dreschers aus Wendemark auf dem Rückwege von der Schule in der Kälte erstarrt und nur durch Zufall gerettet, aber dann, wie man glaubte, infolge der Erkältung gestorben. Ein verkrüppeltes Kind besuchte die Schule gar nicht und ein sehr schwächliches wurde von der Erzieherin des Amtmanns Engel unterrichtet, weil die Eltern den Tod mehrerer ihrer Kinder dem Schulbesuch in Briest zuschrieben. Oft blieben die Kinder ganz der Schule fern, sei es des Wetters wegen, sei es, dass sie zur Arbeit gebraucht wurden.
Infolge des immer schärfer werdenden Schulzwanges ergaben sich weitere Unzuträglichkeiten.
Die Eltern wurden von harten Schulversäumnisstrafen betroffen; wenn sie nicht zahlen konnten, kamen sie ins Gefängnis.
Am 9. Juli 1842 erhob der Pächter der Domäne Engel gegen solche Maßnahmen Einspruch. Es sei unmöglich, dass, wenn in Briest die Schule morgens um 5 angehe u. die Kinder schon um 3 Uhr aufstehen mussten, sie regelmäßig die Schule besuchen könnten.
Da die Eltern die Strafen für Schulversäumnis ihrer Kinder durchaus an Wochentagen absitzen sollten, käme die Gutsarbeit zu kurz, zumal W. in diesem Jahre schon 6 Arbeitskräfte durch Todesfall verloren hätte.
Aus diesem Grunde hatte Amtmann Engel sich schon länger mit dem Plan der Einrichtung einer eigenen Schule beschäftigt, die er als Privatschule einzurichten gedachte.

Sommer 1839 stellte er einen Schulamtsaspiranten Schramm aus Hetzdorf ein. Dieser war von Hildebrandhagen entlassen, da er auf einem Auge erblindet und die Sehkraft des anderen geschwächt war, aus der Besorgnis heraus, dass er bei etwa bald eintretender gänzlicher Dienstunfähigkeit einer Gemeinde zur Last fallen könnte. 1840 aber schon wird der Regierung mitgeteilt, dass Schr. gekündigt sei, und es wird beantragt, dass ein Seminarist nach W. geschickt würde.
Für den Fall, dass der Amtmann Engel Opfer zur Gründung der Schule brächte, stellte die Regierung einen kleinen Zuschuss in Aussicht.
Engel versprach für die Lehrer freie Station und freie Holzfuhren. Zur Hergabe einer Schulstube und einer Kammer erklärte er sich nur bereit, wenn die Regierung die Erbauung eines beantragten Familienhauses genehmige.
Sept. 1842 forderte die Reg. für die Einrichtung der Schule:
Wohnung, freie Kost, etwa 15 Thl. Schulgeld; sie selbst versprach 10 Thl. Gehaltszulage. Außerdem sollte noch das nötige Brennholzdeputat höheren Orts beantragt werden. Im Übrigen würde er es Pastor Witte in Briest überlassen, „ein irgend geeignetes und zuverlässiges Subjekt, welches die Stelle anzunehmen geneigt ist“, vorzuschlagen. Doch hatte die Regierung noch starke Bedenken, da bei dem geringen Einkommen sich erfahrungsgemäß junge Lehrer in Schulden stürzten und andererseits der Staat bei den 4 bis 6 Kindern keine großen Zuschüsse geben könne.
Amtmann Engel wünschte die Schule schon für den Winter 1842/43 zu eröffnen und versprach deshalb, vorläufig das Brennholz zu geben. Er schlug einen Schulamtspräparanten Friedrich Krüger aus Wendemark vor; dieser war am 26.07.1814 geboren und hatte sich für das Schulfach zuletzt bei Kantor Schelk in Briest vorbereitet.
Hatte auch die Präparandenanstalt des Lehrers Rieck in Blumberg i. Pom. besucht. Am 30.08.1842 hatte er sein Examen auf dem Seminar in Cammin bestanden. Michaelis 1842 trat Krüger die Stelle an unter den oben genannten Bedingungen. So ist also Michaelis 1842 als der Geburtstag der Schule zu Wendemark zu bezeichnen.
Am 1. Oktober 1843 sollte der Schulamtsaspirant Gottschalk aus Wilsikow b. Strasburg ihm folgen. Er kam aber nicht hierher, da er eine andere Stelle angetreten hat.
Statt dessen schickte die Regierung den durch einen einjährigen Seminarkurs vorbereiteten Ehricke, z.Z. Hauslehrer in (unleserlich). Ihm wurde eine jährliche staatliche Gehaltszulage von 12 Thl. zugesichert. Als die Regierung für Ehricke eine Reiseentschädigung von 5 Thl. festsetzte, erklärte Amtmann Engel, er hätte schon genug für die Schule getan, die Tagelöhner aber wären zu arm dazu beizusteuern. Schließlich zahlte die Regierung, wies aber darauf hin, dass sie, wenn sich die Gemeinde später wieder weigern würde, keinen Lehrer mehr nach W. schicken würde.
Ehricke begann damit, in der Schulstube Gottesdienst abzuhalten, wogegen das Konsistorium nichts einzuwenden hatte, von der Regierung erhielt er dafür eine Zulage in einem Jahre 8 Thl. im anderen
6 Thl., zum 8./9.Mai 1844 sollte E. sich zur Prüfung fürs Schulamt in Potsdam einfinden.
Mai 1844 wurde über die Verbesserung der Wohnung verhandelt, die eine gewöhnliche Arbeiterwohnung war. Geplant war, die Kammer zu dielen u. einen Ofen zu setzen. Der Ofen wurde für unnötig gehalten, da der Lehrer sich in der Schulstube aufhalten kann, betont wurde, dass alle unnötigen Kosten zu sparen und auf den Bau eines eigenen Schulhauses hinzustreben sei.
Sept. 1844 wurde über eine Dotation der Stelle verhandelt. Die Regierung wollte beim Domänefiskus ein angemessenes Land Dotation beantragen, statt der freien Beköstigung versprach Amtmann Engel, täglich 2 Quart Milch und jährlich 6 Scheffel Brotkorn zu liefern und das Holz anzufahren.
Sept. 1845 bewilligt die Regierung aus dem Forstrevier Gramzow jährlich für die Zeit von 1846 bis 51 5 Klafter geringes Knüppelholz unter 3 Zoll Stärke, frei von Holzgeld gegen Erlegung des Schlägerlohnes und etwaiger Nebenkosten.
Anfang 1846 hatte W. 28 Schulkinder, von denen 34 Thl. Schulgeld einkam, im Sommer sank die Schülerzahl unter 20, sodass die Regierung verfügte, die Schule sollte eingehen, wenn Amtmann Engel sich nicht verpflichtete, die Leistungen, die er Mich. 1846 versprochen hatte, weiter zu gewähren.
Ostern 1846 bis Mich. 47 versah die Stelle Schulamtskandidat Domak, auch D. hielt Lesegottesdienst. Die Regierung bewilligte ihm dafür 6 Thl.
Oktober 1847 folgte Lehrer Gössler, der jährliche Staatszuschuss blieb auf 12 Thl. bestehen. Nov. 1847 wurde ihm von Oberamtmann Engel die Stube gedielt.
Am 1.4.48 ging G. als Hilfslehrer nach Zichow.
Es folgte ihm Ferdinand Köppen, der aus Briest kam.
Mitte Oktober 1849 folgte der Schulamtskandidat Klemmer, ausgebildet in Potsdam, er kam aus Stolpe a. O. Sein Einkommen setzt sich folgendermaßen zusammen:

1. Schulgeld 35 Thl.
2. Gehaltszulage der Reg. 12 Thl.
3. 5 Klafter Knüppelholz z. Heizung 3 Thl.
4. eine kleine Wohnstube 3 Thl.
5. freie Station beim Oberamtmann 84 Thl.
137 Thl.
Mit eine Gratifikation der Regierung zu diesem Gehalt wurde gerechnet.
Die Schülerzahl war 32. Die Dienstwohnung war klein, doch in gutem Stand. Kl. klagt über Holzmangel.
1. April 1851 folgt Hilfslehrer Röhl. P. Lehmann stellt ihm ein gutes Zeugnis aus, da er Tüchtiges leistete. Er spielt Piano und Violine, auf dem Bahnhof Passow gab er einigen Familien lateinischen und französischen Unterricht. Man hätte R. gern behalten. Es war schon über 30 Jahre alt und wollte einen eigenen Hausstand gründen. 1852 beriet man über einer Verbesserung der Stelle, da der stete Wechsel der Lehrer den Kindern wenig förderlich war. Man kam aber zu keinem Ziel.
Am 28.10.1852 übernahm die Stelle Schulamtskandidat Ziertmann aus Boitzenburg. 1.12.53 wurde er nach Fliet in die 2. Lehrerstelle gewählt, von der Regierung aber nicht bestätigt, da er in W. 3 Jahre zu bleiben verpflichtet war.
Herbst 1854 wurde wieder über eine Verbesserung der Stelle verhandelt. Die Regierung bezweifelt, dass eine Fläche von 2 ½ Morgen Acker am Wege zum Bahnhof Passow, die schon 1846 in Aussicht
genommen war, als Dotation ausreichend sei. Eine örtliche Verhandlung am 10.10.54 hatte kein Ergebnis. Ziertmann übernahm Herbst 1854 die Stelle in Fredersdorf.
Es folgte ihm Schulze, 23 Jahre alt. Die jährliche Gehaltszulage seitens der Regierung erhöhte sich bei ihm auf 30 Thl., sodass sich sein jährliches Einkommen auf 170 Thl. belief, wovon 84 Thl. auf freie Station gerechnet wurden. Die Schülerzahl betrug damals 35. Die Schule blieb in Wendemark bis Sept. 1858, Okt. 1858 kam Lehrer Block aus Lindow bei Jüterbog. 1861 ging er nach Künkendorf.

Ihm folgte Löwe, geb. 8.8.1839. Zum 14./15. Nov. 1861 wurde er zur Prüfung vorgeladen, bestand sie aber nicht, wurde jedoch für fähig erklärt, in einzelnen Fällen von einer kleinen Schule angestellt zu werden. 30./31.8.64 bestand er die Prüfung. 1861 betrug die Schülerzahl 34; das Einkommen 180 Thl. 1866 ging Löwe nach Lehnin. Nachfolger wurde Wilhelm Ebert, aus Strigau bei Perleberg. Einkommen. 155 Thl., dazu kam eine kleine sehr dürftige Wohnung und 5 Klafter Reisigholz aus der Kngl. Gramzower Forst, für das der Lehrer das Schlägergeld zahlte, das aber zur Heizung des Schulzimmers kaum reichte. Landdotation immer noch nicht vorhanden. Stelle nur für einen verheirateten Lehrer. 1866 für 24 Schulkinder.
Nachdem Ebert die Prüfung bestanden hatte, erhielt er unter dem 29.12.1868 von der Regierung die Dotation für Wendemark .
Am 11.1.1869 wurde er in der Wohnung des Domänenpächters Simon von P. Rachadt vereidigt.
Am 1. Mai 1870 übernahm die Stelle Reimer, geb. 1849 in Damerow b. Pasewalk, 2 ½ Jahre auf dem Seminar in Kyritz vorgebildet. Er starb am 23.09.1871 an Typhus.
Es folgte Robert Rademacher, geb. am 27.08.1839 in Bertikow, ausgebildet auf dem Seminar in Kyritz.
Näheres und Forts. s.S. 1 u.ff.
02.05.1929


Goldfund aus der Bronzezeit

Vom Schulvorstand war die Legung einer Flügelpumpe für die Lehrerwohnung beschlossen worden.
Die Ausführung der Arbeiten war dem El. Inst. Lenski, Stettin, übertragen worden. Beim Ausschachten des Grabens stießen der Monteur Georg Neuendorf und der Lehrling Hermann Buchin, beide aus Wendemark, unter dem Sommerweg in etwa einem Meter Tiefe auf eine Feldsteinschicht, die sich bis zum Hause hinzog. Es waren Findlinge von verschiedenster Größe. Sie lagen in einer Erdschicht von tiefschwarzer Farbe. Die Erde unter und über den Steinen hob sich deutlich davon ab. Die Steine müssen vor langer Zeit von Menschen hier künstlich aufgeschichtet worden sein. Zuerst hielt ich es für einen alten Weg, der später beim Bau des Dammes mit Erde überschüttet worden war. Von Herrn Amtsrat Schreyer wurde das verneint. Es konnte sich dann noch um eine alte Hausanlage handeln und ich machte die Grabenden darauf aufmerksam und bat sie, auf etwaige Funde zu achten.
Und wirklich, am 22. April 1929 fanden sie zwischen den Steinen dicht am Hause eine Spirale aus gedrehtem Doppeldraht mit vier Windungen. Die Windungen sind, wie bei den meisten auf germanischem Gebiet gefundenen, ganz glatt gelassen. Der Durchmesser beträgt 1 ½ cm, das Gewicht etwas mehr als 6 g, die Masse ist Gold von sehr hohem Reingehalt. Die Trägerin kann nur ein junges Mädchen mit sehr feinen Fingern gewesen sein.
Nach diesem seltenen Funde durchsuchte ich nun die Erde des Grabens und fand eine Unmenge Urnenscherben und Knochenreste. Die Scherben lagen sehr zerstreut. Die Urnen scheinen beim Gebrauch kaputtgegangen zu sein.
Dann fand ich noch ein Stück bearbeiteten Kalksteins. Der Zweck ist zweifelhaft. Ich habe im Vorgeschichtlichen Museum in Berlin kein Gegenstück dazu gefunden. Es hat an dem einen Ende eine Einbohrung. Vielleicht war es ein Ziergriff, oder es diente als Abschluss einer Haarnadel. Nach all diesen Funden scheint es sich um eine Hausanlage aus der Bronzezeit zu handeln, die in unserer Zeit von 2200 bis 750 v.Chr. dauerte. Der Ring könnte aus der Zeit um 1000 v. Chr., 5. Periode der Bronzezeit, stammen, da in dieser Zeit unsere Gegend von Germanen bewohnt war. (nach Prof. Dr. Kossinna). Durch die Arbeit des Wassers ist dann das Ganze ungefähr 1m hoch mit Erde bedeckt worden. Auch diese dicke Schicht Schwemmerde spricht für ein hohes Alter des Fundes.

Unser Ort war also auch in der Bronzezeit besiedelt.
Das Schulhaus steht auf einer altgermanischen Siedlung.
Bald darauf wurde auf dem Unterland vom Bahnhofsweg ein Mahlstein ausgepflügt. Auch dort muss eine alte Siedlung gewesen sein.
Beim Besanden der Moorkulturen fanden die Arbeiter im Sand mehrere Urnen, sie enthielten Getreidekörner. Die Urnen stammen aus der Steinzeit. Oderschnurkeramik. In der Nähe der Fundstelle ist ein Hügel, der auf dem Messtischblatt als Hünengrab bezeichnet ist. Es ist aber keine Steinpackung zu finden.
Zwischen der abgefahrenen Erde wurde auf der Moorkultur vom Inspektor Hofmann eine zersprungene Steinaxt gefunden. Sie ist aus Eruptivgestein und sauber durchbohrt. Also auch in der Steinzeit war Wendemark besiedelt. 08.06.29

Beim Bau des Silos wurden auch bronzezeitliche Scherben ausgegraben.
Ein Herr Dr. Marschallek vom Vorgeschichtlichen Museum Berlin stellte fest, dass der Burgwall in Passow ein slawischer Burgwall ist. Wir fanden slawische Scherben, mehrere Herdstellen und auch Scherben aus dem Mittelalter (Ritterzeit). Auf der anderen Seite der Straße, auf der sogenannten alten Dorfstelle, fanden wir ebenfalls slawische Scherben.
Es wird dies also die Stelle sein, wo das alte Wendendorf gestanden hat. Die deutschen Kolonisten bauten dann auf der jetzigen Stelle ihr Dorf. Auf dem Burgwall baute sich dann der Ritter seine Burg.
Es sind vor langer Zeit von dem damaligen Besitzer Steinbring Ritterstiefel, Sporen, Rüstungsstücke usw. gefunden worden und meistens an die Schwedter Dragoneroffiziere verkauft worden.

In der Kiesgrube auf dem Holzwerder in Passow wurden beim Kiesfahren Urnen gefunden. Die Urnen sind unverziert und standen in einer flachen Mulde dicht unter der Oberfläche. Die Mulde ist mit Branderde ausgefüllt. Beigaben sind nicht gefunden worden. Es scheint ein Gräberfeld aus der La Tene Zeit 500 bis 100 v.Chr. zu sein. Es wurden noch Scherben mit Verzierungen im nordbrandenburgischem Stil (Bogenstich) und mit megalitischem Tiefstich gefunden. Steinzeit.
Am 12. 08. 29 fand die Verfassungsfeier in der Klasse statt.
Am 15. 08. 29 überflog “Graf Zeppelin“ auf seiner Fahrt um die Erde um ¾ 12 unsere Gegend. Er war gut sichtbar und wurde von allen freudig und mit Stolz begrüßt. Er kam von Berlin und flog der Bahnstrecke folgend nach Stettin.
Am 10. September machte die Schule eine Wanderung zu dem Kleinen Heidberg (Briest). Wir fanden dort viele Tonscherben. Es scheint sich dort um eine Wohnstätte aus der Bronzezeit zu handeln.
Am Nachmittag spielten mehrere Kinder beim großen Motorpflug. Als der daran arbeitende Richard Gohlicke einen Moment zur Schmiede ging, um etwas zu holen, wollten die Kinder mit dem Pflug wippen. Der Pflug kippte und fiel dem Schüler Willi Iven mit dem einen Schar auf die Brust. Der Schüler Gerhard Götting bekam einen Schlag auf den Kopf und trug eine klaffende Wunde am Hinterkopf davon. Sofort wurde der Arzt geholt. Der stellte bei Willi Iven Rippenbrüche und schwere innere Verletzungen fest und ordnete die sofortige Überführung in das Krankenhaus an. Hier ist er bereits in der Nacht zum 11. September gestorben. Wir verlieren in ihm einen begabten, gut zu leidenden Schüler.
Am 14. 11. 29 pflügte der Landwirt Rudolf Brünig aus Passow eine Begräbnisstelle aus. Die Stelle liegt gegenüber dem Schindertanger. Die Urne war schon zerstört. In der Branderde fand er eine vom Rost stark angegriffene eiserne Nadel. /xxx). Die Urne war jedenfalls von faustgroßen Steinen umpackt.
Beim Umpflügen der Randow wurden an der einen Stelle mehrere menschliche Skelette, ein Pferdeskelett und der Kopf von einem Hund oder Wolf freigelegt. Die Pflüger fanden auch ein Stück stark verrostetes Eisen. Leider nahmen sie einen Hammer, um den Rost abzuklopfen und zerstörten es vollständig. Nach der Beschreibung wird es sich um eine Hellebardenspitze gehandelt haben, die diese Form hat.
Zeichnung
Meiner Meinung nach handelt es sich um einen Trupp Landsknechte, die im 30jährigen Krieg im Randowbruch versunken und umgekommen waren.
Im Oktober 1929 wurde in Passow beim Kartoffelmietenbewerfen ein großes Stück Bernstein gefunden.
Im Januar 1930 wurde in Passow beim Umpflügen der Welsewiesen des Gutes die Reste zweier Einbäume freigelegt. Das eine Stück hat eine Länge von 7 ½ m ; beide sind aus Eichenholz.
Am 13.II.30 machte die Schule eine Wanderung dorthin und besichtigte den Fund. Dann besuchten wir den sogenannten Schindertanger. Im Schindertanger befindet sich ein sonderbarer Hügel, der wohl mit Sicherheit eine vorgeschichtliche Stätte ist. Auf dem Hügel befanden sich früher zwei mächtige Steine. Vor einiger Zeit wurde dort eine zersprungene Steinaxt gefunden.(Angermünder Museum). Scheinbar war hier ein Hünengrab. Vielleicht deutet aber der Name Schindertanger auf eine germanische Opferstätte hin. (Pferdeopfer).
Am 13.10.30 stießen der Schüler Herbert Iven und der Arbeiter Willi Götting beim Kies holen auf dem Holzwerder wieder auf ein Brandgrubengrab.
Die Urne war schon zerstört. Dafür aber waren in diesem Grab mehrere Beigaben, aus denen nun die Zeit zu bestimmen ist, aus der diese Gräber stammen. Sehr gut erhalten sind ein eisernes Messer und eine bronzene Nadel. Die übrigen Beigaben haben unter Hitze ihre Form verloren, es sind mehrere Stücken Bronzeblech und 2 Stücken von Bronzesicheln. Am 25.IV. fand ich dort noch ein Stück Bronze. Danach zu urteilen scheint es sich um ein Bronzegefäß gehandelt zu haben. Römische Kaiserzeit. Besonders bemerkenswert ist die obere Hälfte eines sogenannten Segelohrringes. Eins davon scheint einen Vogelkopf darzustellen, Schnabel und Auge sind deutlich zu erkennen. Ein zweites ist unter der Hitze zusammengeschmolzen.
Der Umsicht des Schülers Herbert Iven ist es zu danken, dass der Inhalt des Grabes nicht achtlos beiseite geworfen worden ist.
Beim Eingraben des Recks auf dem Turnplatz stießen die Arbeiter auch dort auf eine Feldsteinpackung, die in schwarzer Kulturerde lag. Auch hier lagen Topfscherben dazwischen.

November 1930
Auf den Mietenstellen gegenüber den Arbeiterhäusern wurden von den Kindern viele Topfscherben gefunden. Bronzezeit.
Es scheint also vom Schulhaus bis zum Ausgang des Dorfes hier ein bronzezeitliches Dorf gestanden zu haben.


20. Januar 1931.
Herr Pastor Bartelt, Briest, stiftet der Schule zwei Photographien zweier alter Karten von Wendemark aus dem Geh. Staatsarchiv Berlin-Dahlem. Die eine stammte aus dem Jahre 1719 vor dem Aufbau, die andere von 1742, nachdem Wendemark als Königliches Vorwerk aufgebaut worden war.

Am 1. Juli 1932 wurde Wendemark vom Staat an „Die Eigene Scholle“ verkauft. Es soll zur Siedlung aufgeteilt werden.









Kurzchronik – Randowtal – Wendemark

1984 aufgeschrieben und zur Verfügung gestellt von Johanna Bolle,
sie lebte von 1946 bis 1992 in Wendemark

Als das Wasser sich verzogen,
blieb ein Tal von Sumpf und Moor zurück.
Fleißige Hände zogen schnurgerade Gräben,
das war die 1. Wende des Geschicks.
Schwarze fruchtbare Erde waren Lohn für diese Mühen.
Wiesen, Wiesen soweit das Auge reicht,
Schlaraffenland für die schwarz - weiß gefleckten
und Milch gab es im Überfluß von all den Kühen.

Der „Braune“ zog den Pflug auf dem Höhenland.
Der Acker war gut, er versprach gute Ernte und Brot für viele.
1932 wurde aufgeteilt des Junkers Land
und viele nahmen ihr Glück als „Freier Bauer“ in die Hand.
Handwerker bauten Hof an Hof, wie Perlen an der Kette Schnur entlang der Straße mit Linden,
ein 3 km langes Dorf entstand.
Mit Dorfschulze, Stellmacher, Kramladen, Schule und Schmied,
fernab vom Stadtlärm und Fabrik.

Ein Schienenstrang Berlin - Stettin führte zur Welt, den nutze man kaum.
1939 kam der Krieg der zerstörte so manchen Traum.
Viel Mühe, viel Arbeit, viel Tränen, viel Schweiß aber Brot,
1945 wurde Wendemark für viele neue Heimat nach großer Not.

Ihr „Alten“ ihr alle- ihr habt die Arbeit getan.
In der Hand sind noch die Schwielen, der Rücken gebeugt.
Ihr wart die Ersten nach schwerer Zeit und habt euch über jeden Erfolg gefreut.
In den 50iger Jahren die große schmerzende Wende, die LPG,
das tat dem „Freien Bauern“ in der Seele weh.
Viele verließen das Dorf und zogen (flüchteten) nach Westdeutschland.
(1953 ging Richard, Hanne, Brigitte und klein Gudrun und Vater Bolle.)

Dann haben Traktoren, die Maschinen über das Land gezogen,
zerstörten viel guten Ackerboden. (Kulturen)
Sie pflügten den Boden ersetzten Pferd und Hand.
Wo sind die Pferde ? Wo die Kühe vom Tal ?
Wir sehen sie nicht mehr, sie stehen im Stall (mit 2000 Plätzen in Briest).
Und wo ist die Jugend ? Verzogen ins Häusermeer.
Ein paar sind geblieben, die hatten es schwer.
Sie hielten es in den Händen
sie schafften viel, sie wollten es wenden !

Viel ist vergessen, die Zeit vergeht –
geblieben sind die Wiesen und Felder, (brach liegen die Meisten)
die Alten mit ihrer Erinnerung,
die Höfe an der Straße, die Linden stehen.
Einige kommen, um die alte Heimat zusehen.

Kommt noch eine Wende ? Wir werden es ja sehen !
Die Alten, die mussten den Pfennig umdrehen,
die Jungen, sie wenden die Mark
in unserem Dorf in Wendemark.
Nachtrag:
1989 kam noch eine Wende, wir haben es gesehen.
Im Dorf ist es still geworden.
Die Wenigen, die geblieben,
werden sie die Mark wenden mit Arbeit oder ohne in Wendemark. ?


















































Auszug aus den unveröffentlichten Erinnerungen von Professor Dr. med. habil. Otto Rostoski, geb. 1872 in Wendemark als Sohn des Pächters der staatlichen Domäne Paul Victor Otto Rostoski, der die Domäne von 1870 – 1879 bewirtschaftete.

Wendemark ist oder war eine Staatsdomäne in der Uckermark, dem nördlichsten Teil der Provinz Brandenburg, der die Kreise Angermünde, Prenzlau und Templin umfasst. Man denkt bei der Mark Brandenburg immer an viel Sandboden („des heiligen Römischen Reiches Streusandbüchse“). Wendemark hatte aber – soviel ich noch weiß – fruchtbare Felder und jedenfalls ausgedehnte schöne Wiesen, die von dem Flüsschen Randow begrenzt wurden. Der Name Uckermark kommt von der Ucker oder Ücker, welche bei Ückermünde in das Haff fließt.
Wenn man von Gramzow, einem Marktflecken, d.h. einem größeren Dorf, in dem Jahrmarkt abgehalten wurde, auf der Chaussee, die von Prenzlau kommt, nach der Bahnstation Passow geht, kommt man zuerst durch Zichow, damals mit Schloss und Park des Grafen Arnim. Ein Stück hinter Zichow geht rechts ein Feldweg nach Briest, einem Pfarrdorf, wohin meine Eltern immer zur Kirche fuhren, und links ein Feldweg nach Wendemark ab. Letzterer steigt zunächst etwas an. Auf der Höhe sah man dann Wendemark etwas tiefer liegen.
Den Ort bildeten die Gutsgebäude und zu deren beiden Seiten je einige nahe beieinander und auch nicht weit von den Gutsgebäuden gelegen zum Teil noch mit Stroh gedeckte Häuser. Alle Bewohner dieser Häuser waren auf dem Gut beschäftigt. Bauernwirtschaften gab es nicht.
In der linken Häusergruppe sah man einen aus roten Ziegeln erstellten und auch mit roten Ziegeln gedeckten Neubau, die Schule, in der auch der Lehrer sein Unterkommen hatte.
Die Bahnstation Passow lag nicht weit vom Gut entfernt und war mit dem Fuhrwerk schnell zu erreichen. Das war wichtig, weil ein Zug die Milch des Gutes täglich nach Berlin mitnahm.
Im Übrigen war Passow ein Gut, das einem Herrn von Diringshofen gehörte, mit dem meine Eltern gut bekannt waren. Wir nannten Frau von Dirigshofen Tante Selly.
Der schon erwähnte Feldweg von der Chaussee Gramzow-Passow führte direkt auf den Gutshof und auf die eine Längstseite eines gepflasterten länglichen Vierecks mit dem Dunghaufen in der Mitte. Wenn man den Hof von diesem Feldweg betrat, sah man auf der Mitte der gegenüberliegenden Seite das Wohnhaus. Im übrigen war der Hof von den Ställen, den Scheunen, der Inspektorwohnung und einem Haus, in dem der Stellmacher arbeitete, umgeben. Ging man von dem Feldwege auf dem Hofe nach links, hatte man hinter der Schmalseite einen zweiten kleineren Hof, der von einem Schafstall begrenzt wurde. Auf ihm hatten Störche ihr Nest gebaut, die alle Jahre wiederkamen, wenigstens, solange wir in Wendemark wohnten. Meine Mutter betrachtete das als gutes Zeichen. Wenn die Störche im Frühjahr wiederkamen, wurden sie laut von der Jugend begrüßt, die ihnen zurief:
„Adebar, du bester, bring mi ne klene Schwester !“ oder
„Adebar, du guter, bring mi nen klenen Bruder !“
Vor der Tür des Wohnhauses war eine kleine Terrasse, an deren beiden Seiten Linden standen, deren Zweige noch nicht so ausgebreitet waren, dass sie genügend Schatten gaben. Immerhin wurde diese Terrasse hin und wieder zum Kaffeetrinken benutzt.
Im Haus selbst betrat man von dieser Terrasse, also nach dem Hof gelegenen Seite des Wohnhauses, zunächst einen Vorraum, von dem man auf die nach dem Hof gelegenen Zimmer und auf die Bodentreppe gelangte. Rechts von diesem Vorraum lag das große zweifenstrige Kinderzimmer, an das sich das einfenstrige Schlafzimmer der Eltern anschloss. Links kam man von dem Vorraum in das zweifenstrige Zimmer meines Vaters, das dem Kinderzimmer auf der anderen Seite entsprach und von dessen Fenster mein Vater einen Überblick über den Hof hatte. Dann kam das kleine Zimmer meiner Mutter, entsprechend dem Schlafzimmer der Eltern auf der anderen Seite. Die Stühle und das Sofa dieses Zimmers hatten, wie ich mich noch erinnere, blaue Ripsbezüge. Als meine Mutter an Typhus erkrankte, diente dieser mehr abgelegene Raum als Krankenzimmer.
Gegenüber der Haustür führte von dem Vorplatz eine Treppe auf den Boden. Von ihm weiß ich nur noch, dass eine Räucherkammer eingerichtet war, in der man die Würste und Speckseiten hängen sah. Das Feuer zum Räuchern wurde dadurch unterhalten, dass man immer wieder Sägemehl aufschüttete, woran ich mich gern beteiligte.
Neben der Treppe zum Boden kam man auf den hinteren Vorplatz, von dem rechtsseits, also hinter dem Kinderzimmer und dem Schlafzimmer der Eltern, die Küche mit Speisekammer und außerdem ein Zimmer für die Mädchen abging. Eine Tür zwischen Kinderzimmer und Küche gab es nicht. Linkerseits, also hinter dem Zimmer meines Vaters und von ihm zugänglich, kam man in das Speisezimmer. An letzteres schloss sich der große Saal an, der in der Verlängerung der Hinterfront des Hauses lag. Er wurde u.a. zu den Weihnachtsfeiern in Anspruch genommen, bei denen sich alle im Hause tätigen und in ihm wohnenden Personen versammelten.
Ich besinne mich auch, dass ich einmal in den Saal gerufen wurde, um die Herren zu begrüßen, die nach einer Treibjagd dort mit meinem Vater zu Abend aßen.
Mein Vater war – wie sein Vater und sein Bruder – ein leidenschaftlicher Jäger.
Parallel zu diesem Saal führte von dem Zimmer meiner Mutter ein Gang ins Freie. An diesem Gang lagen die Gästezimmer, deren Fenster nach dem Hof gingen.
Es scheint mir, dass der Saal und dieser Gang mit seinen Zimmern einen späteren Anbau an das Haus bedeuteten. Der Fußboden des Saales lag 1 oder 2 Stufen tiefer als das benachbarte Speisezimmer.
Von der Hinterfront des Hauses lief ein Weg, der die beiden vorhin erwähnten Häusergruppen verband. Wenn man also von dem Haus in den hinter ihm liegenden Garten gehen wollte, musste man erst diesen Weg überqueren. Der Hof scheint höher gelegen zu haben als dieser Weg und Garten, denn man musste von dem hinteren Vorplatz des Hauses mehrere Stufen hinabsteigen, um diesen Weg und Garten zu betreten.

Der Garten war groß, enthielt außer der Gärtnerwohnung ein Gewächshaus, ein nicht mehr benutztes, mit altem Efeu überzogenes Backhaus und einen Stand für Bienenkörbe. Ein kleiner Teich hatte klares Wasser und war ganz flach, sodass die Gefahr des Ertrinkens für die Kinder nicht bestand. Der große Rasenplatz, der am Haus zunächst lag, wies ein schönes großes Rosenbeet auf, die anderen Rasenplätze waren mit Obstbäumen bewachsen, von denen nie eine Ernte zu erhalten war. Die ganze ausgedehnte Anlage konnte wohl den Anspruch auf den Namen Park erheben. Es wurde aber immer von einem Garten gesprochen.

Auf dieser Domäne wurde ich am 4. September 1872, mein Bruder Georg am 8. Oktober 1874 und mein Bruder Kurt am 13. April 1876 geboren. Beide Brüder haben kein langes Leben gehabt. Georg starb als Oberbaurat bei der Regierung in Frankfurt an der Oder an einem Herzinfarkt und Kurt schon 1892, 16-jährig, infolge eines angeborenen Klappenfehlers in Posen. Die Krankheit von Georg war, um einen jetzt üblichen Ausdruck zu gebrauchen, als Managerkrankheit aufzufassen, da sein Beruf ihm viele Sorgen und Aufregungen gebracht hatte. Bei Kurt war es zu einem Infekt auf dem alten Klappenfehler gekommen (Endocarditis lenta), was nach unserem jetzigen Kenntnisstand nicht selten ist.

Georg war mit Maria Köhler (genannt Lotte), der Tochter unseres Lehrers in Posen – Professor Köhler- verheiratet. Er war längere Zeit bei der Regierung in Köln als Baurat angestellt, machte den Krieg im Osten als Hauptmann mit, kam dann zu der interalliierten Kommission (bestehend aus französischen, englischen und deutschen Offizieren) nach Wiesbaden und schließlich als Oberbaurat der Regierung nach Frankfurt/Oder.
Sein Sohn Rolf fiel 1940 als Oberleutnant der Luftwaffe, seine Tochter Editha ist in Heidelberg verheiratet und hat einen Sohn Hartmut (Leuschner).
Wenn ich mich auf einzelne Erlebnisse in Wendemark besinne, so ist das früheste wohl die Taufe meines Bruders Kurt, die in unserer Wohnung von dem Pfarrer Hanse aus Briest, mit dem wir befreundet waren, vorgenommen wurde. Ich war damals noch nicht 4 Jahre alt. Die Geburt dieses Bruders hatten Georg und ich durchaus nicht freudig begrüßt. Als wir ihn auf dem Schoß der Kinderfrau, während meine Mutter noch zu Bett lag, sahen, verhielten wir uns in jeder Beziehung ablehnend. Zu ungefähr derselben Zeit nahm mich mein Vater einmal nach Berlin mit. Auch diese Reise und den Besuch bei Verwandten dort habe ich in Erinnerung. Im Übrigen sehe ich mich noch, wie ich oft mit einem weißen Pudel, welcher Jocco hieß, im Zimmer meines Vaters vor dem Gewehrschrank auf dem Boden lag.

Als ich älter wurde, vermisste ich einen Spielkameraden, nur mit einem kleinen Mädchen aus einem der Arbeiterhäuser, Karline Knaack, kam ich bisweilen zusammen. Jungen in ungefähr meinem Alter gab es wohl nicht. Meine beiden Brüder waren noch zu klein. Aber in meiner Phantasie existierte ein Spielkamerad. Bei den Mahlzeiten stellte ich einen Stuhl neben den meinen und sagte: „Hier sitzt Hans Eppin.“ Wie ich auf diesen Namen kam, weiß ich nicht. In dem heiteren Buch „Vater – unser bestes Stück“ von Hans Ricklisch wird von einem Knaben, ungefähr in meinem damaligen Alter, gesagt, dass er einen Hund Pluto, den es gar nicht gab, anderen Personen gegenüber erwähnte, den er auch an der Leine spazieren führte und über einen Stock springen ließ. Das frühe Knabenalter scheint phantasiebegabt zu sein.

Einmal kam für mehrere Tage Einquartierung auf das Gut, Soldaten und Offiziere, eine erfreuliche Abwechslung für den ganzen kleinen Ort.
Den Offizieren standen die Gästezimmer im Haus zur Verfügung, aber für die Soldaten gab es keine Betten. In einem neuen, noch unbenutzten Pferdestall wurde ein Strohlager für sie zurechtgemacht, wie es auch für die Schnitter, die zur Ernte kamen, notwendig war. Da die Soldaten sich im übrigen einer guten Aufnahme erfreuten, schieden sie sehr vergnügt. Ich schloss mich an einen Trompeter Wilhelm an, der auf alle meine Fragen und Wünsche einging.
Als er uns verließ, gab es schweren Kummer und Tränen. Ich stand am Fenster und sah ihm nach, solange ich ihn noch erblickte.
Eindrucksvoll war natürlich die schwere Typhuserkrankung meiner Mutter. Eine Isolation wie jetzt bestand nicht. Ich konnte ohne weitere Vorsichtsmaßregeln zu ihr gehen und besuchte sie in der Rekonvaleszenz täglich.
Dabei werde ich daran erinnert, dass noch kurz vor meiner Studienzeit die Typhuskranken in den Krankenhäusern zwischen den anderen Patienten lagen. In Würzburg hatte erst mein Chef Wilhelm v. Leube, Wandel geschaffen. Bei seinem Vorgänger, Karl Gerhardt, der nach Berlin berufen war, wurden die Typhuskranken nicht von den anderen Patienten getrennt. Wenn sich einmal eine Infektion ereignete, so bekam das Pflegepersonal wegen Unsauberkeit Vorwürfe.
Die Behandlung meiner Mutter erfolgte durch den guten Onkel Doktor Raumer aus Gramzow.
Als das Befinden sich verschlechterte, wurde ein Militärarzt aus Angermünde, der sich eines guten Rufes erfreute, zugezogen. Er empfahl kühle Bäder, wie sie Dr. Brandt aus Stettin in die Behandlung des Typhus eingeführt hatte. Sie bewährten sich auch bei meiner Mutter. Die Temperatur wurde gedrückt, die schweren Nervenerscheinungen, an denen die Patientin litt, besserte sich, damit auch die Nahrungsaufnahme und der Schlaf.
Was die Bäderbehandlung in einem Hause auf dem Lande damals für Umstände machte, kann man sich kaum vorstellten. Aber mit Hilfe der herbeigerufenen Krankenschwester und des vorhandenen Personals wurde sie durchgeführt.

Als ich 6 Jahre alt geworden war, oder vielleicht auch etwas früher oder später, bekam ich ein Ziegenbockgespann geschenkt, zwei Tiere und einen kleinen Wagen. Die Ziegenböcke wurden auch bald auf dem Hof vor den Wagen gespannt. Es ergab sich aber, dass sie nicht so wollten wie ich und der Mann, der sie eingespannt hatte. Sie liefen wild davon, der Wagen fiel um und ich auf das Pflaster, ohne mir Schaden zu tun. Der Pfau, die Zierde des Hofes, der sonst immer friedlich gewesen war, kam wütend auf mich zu. Die Tiere hätten wohl erst für die neue Tätigkeit erzogen werden müssen, aber das hatte niemand getan. Ich nehme an, dass anderswo Ziegenbockgespanne zur Belustigung von Kindern diente. Sonst hätte man mir wohl nicht dieses Geschenk gemacht.
Die Beendigung des 6. Jahres bedeutete auch den Beginn der Schule für mich.
Ein Schulhaus und einen Lehrer – Herrn Rademacher – gab es in Wendemark. Die nicht sehr zahlreichen schulpflichtigen Kinder hätten sonst nach Briest in die Schule gehen müssen, was namentlich den Anfängern bei jeder Witterung nicht zugemutet werden konnte und sollte. Ich wurde als Sohn des Amtmannes nicht in die Bank zwischen die anderen Schüler gesetzt, sondern erhielt ein Tischchen und einen Stuhl für mich.
Die Pächter, die die Staatsdomäne verwalteten (damals sagte man königliche Domäne), also auch mein Vater, wurden Amtmann genannt. Diese Bezeichnung ist darauf zurückzuführen, dass es früher eine Gutsgerichtsbarkeit gab. Wann diese aufgehört hat, weiß ich nicht. Der Titel aber war geblieben. Auch die Regierung erkannte ihn an. Sie beförderte einen Amtmann nach entsprechend vielen Jahren zum Oberamtmann und schließlich zum Amtsrat. Jetzt werden diese Titel Beamten der Verwaltung und der Justiz gegeben, die also nicht mit einem früheren Amtmann bzw. Oberamtmann zu tun haben. Einen Amtmann gab es früher nur auf dem Lande. In der Stadt nur, wenn er sich zur Ruhe gesetzt hatte.
Im Jahre 1879 – ich war damals 7 Jahre alt – hätte mein Vater Wendemark wieder pachten können. Er war aber nicht in der Lage dazu. Er hatte sein ganzes, vom Vater ererbtes Vermögen zugesetzt, und auch noch etwas vom Vermögen seiner Mutter. Vor ihm war die Domäne von Herrn Simon gepachtet gewesen, der sie außer seinem Gut Pinnow bewirtschaftete, sie aber meinem Vater abtrat, zedierte, wie man damals sagte. Dafür ließ er sich erhebliches Geld zahlen, dass dann meinem Vater als Betriebskapital fehlte. Sein Vater, also mein Großvater, war - wie ich von einem Onkel gehört habe – mit dieser Abmachung nicht einverstanden oder wunderte sich zumindest darüber; da er aber schon alt und krank war, sagte er nichts, verließ sich auch auf die Herren, die meinen Vater berieten.
Zur Übernahme eines großen Gutes gehörten erhebliche Mittel, da das gesamte lebende und tote Inventar in das Eigentum des Pächters überging. Außerdem brauchte man natürlich Betriebskapital. Viele Jahrzehnte später konsultierte mich in Dresden einmal eine Frau Oberst Volkmann. Bei der Aufnahme der Anamnese kamen wir zufällig darauf zu sprechen, dass sie auch auf dem Lande und zwar in Wendemark, geboren sei. Sie erzählte mir, dass ihr Vater nicht dort geblieben sei, weil er wegen der Überschwemmung der Randow viele Verluste gehabt habe. Nun wurde mir Verschiedenes klar. Herr S. wollte die Pachtung abstoßen, weil sie sich als unvorteilhaft erwies. Er ließ sich aber für die Zession, vielleicht um Verluste auszugleichen, erhebliches Geld zahlen. Dass zu Zeiten meines Vaters auch Randow-Überschwemmungen eintraten, weiß ich nicht. Jedenfalls war Wendemark schwer zu bewirtschaften, namentlich für einen Anfänger.
Mein Vater, der einem heiteren Lebensgenusse nicht abgeneigt war, war wohl ein guter Landwirt, aber ein schlechter Geschäftsmann, der sich unter ungünstigen Verhältnissen nicht gut zurechtfand und leider auch schlechten Ratgebern ein Ohr lieh, namentlich, wenn sie ihm schmeichelten.

Wir zogen also fort aus Wendemark nach dem schon erwähnten Gramzow. Auf den letzten Gang der Familie durch den Garten besinne ich mich noch.
Einige Zeit hatte mein Vater in Wendemark noch die Funktion eines Amtsvorstehers übernommen.
Als solcher hatte er unter dem Landrat irgendwelche Geschäfte mehrerer Dörfer zu besorgen. Das kleine Gehalt, das mit dieser Stellung verbunden war, musste nun für den Unterhalt der Familie reichen. In Gramzow fanden wir zunächst für einige Zeit Aufnahme bei Onkel und Tante Dr. Raumer, welche ein stattliches Haus und einen großen Garten besaßen. Dann wurde ein Haus gemietet und schließlich eines gekauft. Die Häuser in Gramzow waren fast alle gleich gebaut. Von dem Eingang an der Straße in der Mitte des Hauses führte ein Gang nach dem Hof. Zu beiden Seiten dieses Ganges lag je eine kleine Wohnung mit Stube und Kammer nach der Straße und kleiner Stube und Küche nach dem Hof. Auf dem Boden gab es noch zwei Giebelstuben. Da eine Wohnung für uns – mit der Hausgehilfin sechs, später sieben Personen zu klein war, musste ein ganzes Haus gemietet oder gekauft werden.
Gramzow gehörte nicht zu den Dörfern, welche in dem Bezirk meines Vaters lagen. Er musste deshalb täglich in das benachbarte Zichow gehen. Den großen Bogen, welchen die Chaussee vor Zichow machte, konnte er dadurch abkürzen, dass er durch den Park des Grafen Arnim und den Pfarrgarten ging. Sein Büro lag neben der Pfarre des Pastors Sallin, mit dem wir freundschaftlich verkehrten und bei dem wir Kinder immer einkehrten, wenn wir unseren Vater begleiteten. Als einmal vom Hoch- und Weitspringen die Rede war, meinte Georg zu dem Pastor Sallin: „Der liebe Gott könne doch gewiss über ein Haus springen.“ Er dachte dabei an die kleinen ländlichen Häuser.

Die Zeit in Gramzow ist mir in freundlicher Erinnerung. Die Schule, welche unter Leitung des Hauptlehrers Troschke stand, erfreute sich eines guten Rufes, sodass sie auch von Kindern benachbarter Orte, welche bei Verwandten untergebracht waren, besucht wurde. Außer Herrn Troschke waren noch zwei Lehrer und eine Lehrerin tätig. Zum ersten Mal hatte ich auch Spielkameraden. Da war zunächst ein Neffe von Tante Doktor, Niels Biester, der zwar bald nach Eberswalde aufs Gymnasium kam, in den Ferien aber immer in Gramzow blieb, dann Felix Toubir, hauptsächlich mit Georg befreundet, mit dem er im selben Alter stand, und den ich später in Würzburg als Mitglied einer Landsmannschaft wieder traf. Ferner Fritz Jonas, der nicht aus Gramzow stammte, aber dort bei seiner Großmutter der besseren Schule wegen in Pension war, und viele andere.
Als ich 9 Jahre alt war, wäre ich in eine Stadt in die Sexta eines Gymnasiums gekommen. Dementsprechend wurde in Gramzow mit lateinischen Stunden bei Herrn Pastor Mohr begonnen. Später beteiligte sich auch mein Vater am lateinischen Unterricht, und meine Mutter gab französische Stunden, bis dann in der Quinta eines Gymnasiums der französische Unterricht anfing. Ich war wohl ein recht schlechter Schüler. Als einmal die Rede davon war, was ich werden wollte, meinte meine Mutter, deren Großvater Pfarrer gewesen war, es wäre ihr lieb, wenn ich Theologie studierte. Es wurde aber bezweifelt, dass ich jemals das Abiturientenexamen bestehen würde.


Erinnerungen von Frau Irmgard Stelter aus Wendemark zum Absturz des amerikanischen Bombers
Erzählt am 15.02.2002:
Am 21.06.1944 stürzte ein amerikanischer Bomber in den Randowwiesen nahe des Kastaniendreiecks am Zichower Wald hinter dem Mittelgraben ab.
Ich kann mich an dieses Datum so genau erinnern, weil mein Onkel aus Berlin bei uns zu Besuch war. Er hatte an diesem Tag Geburtstag und wollte diesen Tag etwas ruhiger in Wendemark verleben, denn in Berlin waren Bombenangriffe zu dieser Zeit schon sehr häufig.
Es war ein sonniger Tag, wir besichtigten unsere Ländereien und hörten starken Flugzeuglärm.
Die vielen Flugzeuge, die angeflogen kamen, waren ein überwältigender Anblick.
Nach unserer Einschätzung waren es mehrere hundert Flugzeuge, die sehr hoch in exakten Formationen flogen. Vorn 4, dann 3 und dann weniger, immer räumlich versetzt voneinander.
Wir beobachteten, wie ein Bomber plötzlich zurückblieb und von zwei Jägern verfolgt wurde. Zuerst wollten wir das Feld schnell verlassen, aber entschlossen uns doch, das Schauspiel zu beobachten.
Wir hörten Maschinengewehrschüsse unterschiedlicher Klangart, der Bomber fing Feuer und kam in Richtung Dorf geflogen, ganz schräg runter, aber plötzlich startete der Bomber durch und flog steil nach oben, zurück in Richtung Zichower Wald. Dann neigte er sich wieder und ist kopfüber hinter dem Wald abgestürzt.
Wenn das Flugzeug nicht plötzlich wieder abgedreht hätte, wäre er sicher in Wendemark abgestürzt.
Die Flugzeuge kamen aus Süd (Richtung Berlin) und flogen in Richtung Nord (Stettin).
Nach dem Absturz hörten wir eine mächtige Explosion, sahen Feuer und starken Rauch, aber keine Explosion von Bomben.
Wir haben das Flugzeug beobachte ab dem Zeitpunkt, als es aus den Verband ausscherte, bis zum Absturz. Wir haben während der Beobachtung nicht gesehen, dass Menschen aus der Maschine mit Fallschirmen abgesprungen sind.
Am Tag nach dem Absturz war ich an der Absturzstelle. Es war ein großer Krater der schon mit Wasser vollgelaufen war. Sehr viel konnte man nicht sehen, das Flugzeug muss sehr tief ins Moor eingedrungen sein, nur noch ein Teil vom Flugzeugheck ragte aus der Erde.

Bei der Besichtigung der Absturzstelle traten wir auf einige Bomben, da sie vom Moor verdeckt und dadurch schlecht zu erkennen waren. Ich war verwundert, dass dort so viele Bomben frei umhergelegen haben und dass sie nicht explodiert waren.

An der Absturzstelle fanden wir einen Schuh (hoher Schnürschuh) und ein Wörterbuch. Besatzungsmitglieder bzw. deren Leichen habe ich nicht gesehen. Ob am Absturztag schon welche geborgen wurden, kann ich nicht sagen.
Alles lag in unmittelbarer Nähe des Flugzeuges verstreut.
Zuerst war die Absturzstelle nicht abgesichert, aber als immer mehr Schaulustige kamen, wurde sie abgesperrt.

Herr Frank Millert dazu:
Am 21.06.1944 war ein großer Angriff auf Berlin mit ca.1234 B 17 Bombern und etwa eben so vielen Begleitjägern. Nach der Bombardierung Berlins verließen sie Deutschland in Richtung Poltava.
(UdSSR) Frau Stelter bestätigt, dass die Flugzeuge nicht mehr zurück kamen.
Tausende Flugzeuge flogen in einem Verband in ganz exakten Abständen versetzt voneinander, in ganz akkurater Formation, die Amerikaner nannten dies„Kompaktbox“.
Versetzt geflogen wurde, damit der eine den anderen nicht durch Verwirbelung behindert. Die 12 Maschinengewehre, die an Bord waren, waren so ausgerichtet, dass ein optimalen Schutz gegen angreifende Jäger gegeben war. Nachts flogen die Engländer, am Tage die Amerikaner.

Daten das abgestürzten Flugzeugtyps:

Typ. B 17 G
Länge: 22,78 m
Spannweite: 31,62 m
Fluggeschwindigkeit 487 km/h
Flughöhe 7620 m
Motorisierung 4 Sternmotoren mit je 1277 PS
Bombenlast ca. 8 t
Reichweite 4470 km
Bewaffnung 13 Bord MG 12.7 mm Kaliber
Besatzung: 10 Personen
Ab 1944 wurden die Flugzeuge nicht mehr mit Tarnfarbe gestrichen, um Gewicht einzusparen

Frau Christa Gerke geb. Hain hat das Flugzeugwrack fotografiert, die Fotos für die Wendemarker Chronik zur Verfügung gestellt und schreibt im Jahr 2002 dazu:

Die Ostfront rückte näher und die Städte Berlin/Stettin wurden fast täglich bombardiert. Auch Wendemark blieb nicht verschont. Es war im August 1943 oder 1944, genau kann ich mich nicht erinnern. Mehrere Bomben detonierten auf freiem Feld. Es waren Notabwürfe. Das Flugzeug wurde durch Flakbeschuss getroffen und stürzte in die Wiesen rechts der Straße nach Zichow. Der Pilot konnte sich wahrscheinlich mit dem Fallschirm retten. Das war eine Sensation. Viele suchten den Ort des Geschehens auf. Interessant die verstreuten Teile eines Verbandskastens mit englischer Aufschrift und jede Menge Brandbomben (s. Fotos, die ich selbst aufgenommen habe mit einer „Box“, Preis 5,- RM.)

Der Zeitzeuge Joachim Hübner aus Passow erinnert sich im Jahr 2002 an den Absturz des amerikanischen Bombers:
Es muss im Jahr 1943/44 gewesen sein, den genauen Tag kann ich nicht nennen, denn ich war erst 10 Jahre alt. Wir haben diesen Absturz bei einem Schulausflug life erlebt.
Unser Lehrer war Dr. Wehnert , er wohnte im Gutshaus in Wendemark.
An einem Frühsommertag machten wir einen Schulausflug von Passow durch Wendemark zum Zichower Vorwerk.
In einer Waldlichtung stand eine Feldscheune. Hier machten wir Rast und aßen unsere Frühstücksbrote. Danach spielten wir Fußball, die Mädchen spielten Verstecken. Der Lehrer legte sich ins Stroh der Scheune und schaute uns zu.
Plötzlich wurden wir durch ein lautes Flugzeugmotorengeräusch und Schüsse aus Maschinengewehren aufmerksam. Es müssen sich zwei Flugzeuge beschossen haben, denn es waren unterschiedliche Klänge von Maschinengewehren zu hören.
Die Geräusche kamen immer näher und da wurde auch schon ein Flugzeug sichtbar. Es flog in geringer Höhe fast über uns. Die Beschriftung war deutlich zu erkennen.
Es war ein viermotoriger amerikanischer Bomber. Ein Motor brannte und es wurde von einem deutschen Jagdflugzeug beschossen.
Wir hatten alle große Angst und gerieten in Panik, wollten weglaufen, aber der Lehrer hielt uns zurück.
Der brennende Bomber flog langsam weiter und stürzte dann ungefähr 1 km von uns entfernt in den Randowwiesen ab. Wir sahen eine riesige Stichflamme und schwarzen Rauch. Eine Explosion durch eventuelle Bomben an Bord blieb aus. Es waren noch mehr Flugzeuge zu sehen, ganze Geschwader, aber die flogen sehr hoch in Richtung Stettin und warfen sicher dort ihre Bomben ab. In dieser Zeit wurden ja fast täglich die großen Städte wie Berlin und Stettin bombardiert.
Wir machten uns dann schnell auf den Heimweg. Uns begegnete der Polizist Kasischke und noch einige Leute. Der Polizist oder Gendarm, wie man ihn damals nannte , wohnte am Bahnhof Passow, hatte diesen Vorfall beobachtet und wollte nun sehen, wo die Absturzstelle war. Unterwegs sahen wir in Richtung Passow starken Rauch und man erzählte uns, dass das Müllerhaus brennt. Ich bekam große Angst, denn in Passow in dem Müllerhaus wohnte meine Familie. Als wir näher kamen und den Bahnhof erreichten, war ich sehr erleichtert, denn es war nicht unser Müllerhaus in Passow, das brannte, sondern das Müllerhaus, das zur Mühle Götze an der Welse gehörte.
Die Feuerwehr und noch einige freiwillige Helfer waren mit den Löscharbeiten am Wohnhaus beschäftigt.

Zeitzeuge Gerhard Kippel aus Zichow berichtet am 19.02.2002

An diesem Tag war strahlend blauer Himmel, nicht eine Wolke war zu sehen, richtiges Flugwetter, aber als alle Flugzeuge weg waren, war der Himmel bedeckt von den Kondensstreifen der Flugzeuge. Es ist keine Sonne mehr durchgekommen, so viel Flugzeuge waren das.
Den Absturz habe ich genau beobachten können.
Ich habe Ende Juni 1944 in unserer Wiese Gras gemäht, mein Nachbar mähte auf seiner Wiese auch.
Es flogen sehr viele Flugzeuge über uns. Sie kamen aus Richtung Stettin. Der polnische Kriegsgefangene, der bei meinem Nachbarn arbeitete, begann die Flugzeuge zu zählen, als er bei 400 angekommen war, hat er sich vor Angst unter der Brücke versteckt.
So weit, wie man sehen konnte, waren nur Flugzeuge am Himmel.
Zuerst haben wir uns nicht versteckt, wir mussten ja auf unsere Pferde aufpassen.
Als in Richtung Schönow Bomben abgeworfen wurden, versteckten auch wir uns.
Ich stand unter der ersten großen Pappel, daneben war ein großer Holunderbusch, da habe ich auch die Pferden untergestellt.
Wir sahen einen amerikanische Bomber, der recht niedrig aus Richtung Zehnebeck angeflogen kam, ein deutscher Jäger verfolgte ihn. Der Jäger nahm den Bomber unter Beschuss und dieser erwiderte das Feuer.
Der Bomber machte eine kleine Kurve und flog steil nach oben, der Jäger drehte um und nahm den Bomber genau von vorn unter Beschuss. Die Einschussstellen konnte man genau erkennen, er muss wohl die Motoren getroffen haben, denn es sprühte Feuer.
Man hörte ein unwahrscheinliches Gebrumme, der Bomber flog immer höher und höher, dann kippte er plötzlich ab und stürzte senkrecht in die Wiese, und es brach ein Brand aus.
Nach dem Absturz schaukelte die ganze Wiese, es war, als wenn man auf einer Wippe stand, von oben dröhnten die vielen Flugzeugmotoren, es war furchterregend.

Ich vermute, dass Teile des Flugzeuges noch heute in der Wiese liegen.
Wenn noch Menschen an Bord waren, dann liegen sie sicher auch noch dort.
Es verblüfft mich, dass von der Absturzstelle Bilder gemacht werden konnten, denn
kurze Zeit nach dem Absturz des Bombers war die Absturzstelle abgesperrt.
In Zichow war zu der Zeit ein Major Genth auf Fronturlaub, der sorgte für die Absperrung der Absturzstelle.
Nachts übernahmen Angehörige des Volkssturms die Absperrung.
Aus Zehnebeck waren die ersten Leute an der Absturzstelle, die kaputten Fallschirme, die sie sich mitgenommen hatten, mussten sie wieder abgeben.
Verletzte oder tote Menschen haben wir nicht gesehen.
Später erzählte man, dass man um Prenzlau und Schmölln 8 amerikanische Soldaten gefangen genommen hatte. Sie sollen von diesem Bomber abgesprungen sein.

Russische Gefangene mussten die Wrackteile des Flugzeugs aufladen. Fuhrwerke wurden vom Zichower Gut zur Verfügung gestellt. Die Schrottteile füllten vier große Einsenbahnwagons.
Es sollen dort auch noch 5 Zentner Bomben gefunden worden sein.
Die sind nicht mit in die Erde eingedrungen, sondern aus dem Flugzeug geschleudert worden.
Teile vom Flugzeug lagen weit zerstreut in der Wiese.
Große Mengen Verbandszeug, Heftpflaster, Binden, Kompressen u.a. wurde eingesammelt.
Sie füllten einen ganzen Einspännerwagen.
Viele kleine Bomben, Leuchtbomben, Splitterbomben, die noch gebündelt waren, lagen zerstreut in der Wiese.
In den späteren Jahren wurden noch Teile beim Ackern gefunden. Einmal fand man ein Bauteil, das einer Lichtmaschine ähnelte.
In den sechziger Jahren haben wir uns Aluminiumteile mitgebracht. Die Schrauben konnte man noch abdrehen und verwenden.
Viele Jahre später wurde noch erzählt, dass sich Leute von der Fallschirmseide Blusen genäht hatten. Wie die Leute an die Fallschirme kamen, ist mir ein Rätsel.
Ich habe dort eine Korporalspfeife gefunden, die habe ich heute noch und halte sie in Ehren.
Aufschrift: J. Hudson & Co.
Birmingham
Patent 572708

Frau Hilde Potschadly geb. Ewert,
erzählt am 10.03.2002 über den tragischen Tod ihrer Mutter am 24.04.1945

Mein Vater Ernst Ewert und meine Mutter Elisabeth zogen 1930 von Briest nach Wendemark.
Aufgrund des Reichsheimstätten-Gesetzes wurden am Briester Weg in Wendemark neue Häuser gebaut. Meine Eltern kauften sich ein Haus.
Ich habe bei der Post gelernt und war dort von 1942 bis 1945 beschäftigt.
Ich war 1945, 19 Jahre alt.
Während des Krieges war ich am Bahnhof Passow als Rot-Kreuz-Helferin beschäftigt. Die verwundeten Soldaten wurden von Schwedt, von Gartz und von überall aus dem Umland zum Bahnhof Passow gebracht. Hier wurden die Verwundeten in Rot-Kreuz-Züge verladen und in Lazarette gebracht.
Auf unserem Gehöft, das ja nur ca. 300 m vom Bahnhof entfernt war, lagerten zu diesem Zeitpunkt Soldaten und die Feldküche stand auf dem Hof.
Am Vormittag des 24.April 1945 kam meine Mutter weinend zu mir zum Bahnhof gelaufen. Sie bat mich schnell nach Hause zu kommen, denn die SS war bei ihnen gewesen und nun wollten meine Eltern flüchten. Den Fluchtwagen hatten sie schon mit lebensnotwendigen Sachen gepackt und sie wollten losfahren.
Als wir die Verwundeten auf dem Bahnhof in den Rot-Kreuz-Zug verladen hatten meldete ich mich bei meinem Feldwebel ab und ging nach Hause.
In dem Moment, als ich bei dem 1. Haus, damals wohnten dort der Polizist Kasischke und der Chausseeaufseher Amlang, (heute Briester Weg 2) kamen Flugzeuge aus Richtung Stettin über die damalige Sandschacht geflogen (heute stehen dort die Häuser Gramzower Chaussee 1 und 2), ich bin ganz schnell auf unseren Hof gerannt. Es war sonst meine Angewohnheit, immer zuerst in die Waschküche zu gehen, aber an diesem Tag lief ich in die Scheune, verkroch mich unter dem Fluchtwagen, hinter einem großen Sack, der mit Häcksel (zerkleinertes Stroh, für die Fütterung der Tiere) suchte ich Schutz.
In diesem Moment krachte es auch schon und über mir fiel die Scheune zusammen.
Mitten im Hof war ein Bombe gefallen. Der Koch, der für die Feldküche verantwortlich war, hatte beobachtet, dass ich in die Scheune gerannt war. Nun war die Scheune über mir zusammengebrochen aber ich spürte keine Verletzungen. Als ich mich von dem ersten Schock erholt hatte, versuchte ich mich zu befreien, vom Hof aus versuchten die Soldaten mich zu befreien.
Als ich dann draußen war, lief ich wie von Sinnen über den Hof. Es war so hell auf dem Hof, der Stall war zusammengebrochen, das Haus war stark zerstört, die verwundeten Soldaten haben geschrieen, sie waren zur Zeit des Angriffs gerade alle auf dem Hof, weil sie aus der Feldküche das Mittagessen bekamen.
Ich höre heute noch wie der eine Soldat meinen Namen rief: „ Hildchen, Hildchen, Hildchen“. Ihm waren beide Beine abgerissen worden. Überall lagen Verwundete und ich sah nur Blut. Wie eine Irre bin ich von unserem Hof auf die Chaussee in Richtung Gramzow gerannt. Einige Soldaten haben mich eingefangen und mich zu unserem Hof zurückgeführt. Dort erzählten sie mir, dass meine Mutter tot ist. Entdeckt hatte man meine Mutter nur, weil von ihrer Schürze ein Stück aus der Erde schaute.
Ich wollte sie unbedingt sehen. Man hatte die toten Soldaten schon zusammengetragen und meine Mutter lag dazwischen. Ich war die einzige aus meiner Familie, die meine Mutter so gesehen hat.

Bei diesem grauenvollen Anblick bin ich zusammengebrochen und ab diesem Zeitpunkt fehlt mir die Erinnerung. Ich vermute, dass mich die Soldaten in den Schützengraben, der oberhalb unseres Grundstücks in der Sandschacht war, gebracht haben und mich dort mit Medikamente ruhig gestellt haben. Ich weiß nicht, wie ich auf unseren Fluchtwagen, der von zwei Ochsen gezogen wurde, gekommen bin.
Am 25.04.45, das war der Geburtstag meines Vaters, erlangte ich mein Bewusstsein wieder. Da befanden wir uns aber schon auf der Flucht in Richtung Gramzow. Die Sanitätssoldaten vom Bahnhof haben unseren Wagen überholt und wollten meine Vater überreden, dass ich mit ihnen fahren soll, denn sie wollten in Richtung Westen fahren. Aber mein Vater ließ das nicht zu.
Wir zogen weiter in Richtung Woldeck, Boitzenburg. Fremde Flüchtlinge schlossen sich uns an. Eine Frau, die schwanger war, nahmen wir mit auf unserem Wagen. Im Wald bei Boitzenburg machten wir Rast. Es dauerte aber nicht lange und wir erlebten wieder einen Angriff. Wir wurden von Deutschen beschossen. Sie vermuteten sicher russische Soldaten in dem Waldstück. Wir hatten Glück und wurden nicht getroffen. Aber unsere Freude über den unverletzt überstandenen Angriff dauerte nicht lange. Plötzlich standen die Russen vor uns. Zum Glück hatte mein Vater kurz vorher seine Pistole im Wald vergraben. Hätte man die bei ihm gefunden, wäre er sofort erschossen worden.
Für mich begann dann die Hölle, aber keiner konnte mir helfen, alle musste tatenlos zusehen. Als sie mich dann mitnahmen, rief mein Vater mir noch hinterher: „ Hilde, tu was sie von dir wollen, sonnst bringen sie dich noch um“. Dann wurde ich ca. 14 Tage oder auch 3 Wochen in einem Haus eingesperrt ,da wünschte ich mir manchmal lieber den Tod, als diesen Unmenschen zu dienen. Ich hatte überhaupt keinen Zeitbegriff mehr. Es fällt mir heute noch schwer darüber zu sprechen, heilen werden diese Wunden nie.
Meine Mutter hatte während des Krieges immer große Angst und besonders vor den Russen.
Sie hatte immer gesagt, bevor die über mich herfallen, soll mich lieber eine Bombe treffen. Ihr Wunsch ging in Erfüllung. Meine Mutter war am 24.04.1945 bei dem Bombenabwurf getötet worden, am 25.04.45 gingen wir auf die Flucht. Wir konnten unsere Mutter nicht beerdigen.
Als mein Vater wieder in Wendemark war, erzählte ihm der Lehrer Weitling aus Passow, dass sie auf dem Friedhof in Passow bei den gefallenen Soldaten beerdigt wurde.

Ich kam Ende Mai oder Anfang Juni 1945 wieder zurück nach Wendemark. Da ich ja durch meine Tätigkeit als Postbote allen Wendemarkern bekannt war, war die Freude bei allen groß. Keiner hatte daran geglaubt, dass ich lebend wieder zurück komme.
Während des Krieges waren in Wendemark einige serbische Zivilgefangene, denen hatte ich immer heimlich die Briefe, die sie von ihren Angehörigen bekamen zugesteckt. Die Briefe waren an die Familie der Bauern, bei denen sie arbeiteten, adressiert. So entgingen sie der Kontrolle.
Diese serbischen Gefangenen haben mich vor einer erneuten Schandtat gerettet.
In dem Gehöft der Familie Böttcher (heute Lindenallee 8) war die Fleischerei untergebracht.
Wir standen dort an, um etwas Fleisch zu bekommen. Die Serben hatten beobachtet, dass russische Soldaten mit einer Kutsche ins Dorf kamen.
Sie versuchten sich mit den Soldaten zu unterhalten und sie dadurch abzulenken und ein Serbe kam zu mir gerannt und sagte: „ Fräulein schnell verschwinden, die Russen kommen.“
Ich bin dann über den Friedhof in Richtung Chaussee gerannt und habe mich zu Hause versteckt. Die Russen waren wieder auf Frauenfang und wollten mich nach Briest in die Kommandantur mitnehmen.
Auf dem Bahnhof lagerten die Flüchtlinge aus den ehemaligen Ostgebieten, die nicht mehr in ihre Heimat zurückkamen. Unter ihnen fand mein Vater eine Frau mit zwei Kindern, die er dann auch später heiratete.
Als mein Freund Erich Potschadly (Uffz. Luftnachrichten), mit dem ich schon vorher 3 Jahre befreundet war, im April 1946 in Passow ankam, haben wir am 20. Juni 1946 geheiratet.
Dank meines Mannes habe ich wieder Freude am Leben gefunden. Wir sind schon fast 56 Jahre verheiratet und leben zufrieden seit 1959 auf unserem Grundstück in Neuenhagen.
Den Gedenkstein, der auf dem Friedhof in Passow steht, hat mein Mann gemacht.

In Passow war die Raufuttersammelstelle, dort waren französische Gefangene eingesetzt.
Eines Tages mussten alle Soldaten dorthin. Hier sollte ein Deutscher Deserteur bestraft werden.
Es handelte sich um einen Familienvater aus Prenzlau, er hatte vier Kinder. Als er den sinnlosen Krieg nicht mehr mitmachen wollte, hatte er sich selbst verletzt, um nach Hause zu kommen.
Aber man bezeichnete ihn als Deserteur und er wurde in Passow erhängt.
Eine Stunde, nachdem der Mann erhängt wurde, wurde das Gnadengesuch bestätigt.
Einige Mädchen haben sich das angesehen, aber die konnten sich tagelang nicht erholen.

Mein Vater hat 1953 Wendemark verlassen.
Einige Zeit hatte er im KZ verbracht. Nach dem Krieg war er Bürgermeister in Passow. Als er erfuhr, dass die Russen ihn suchten und ihn verhaften wollten, fuhr er mit dem Fahrrad nach Greiffenberg und stieg dort in den Stralsunder Zug.
In Angermünde auf dem Bahnhof überwachten die Russen den Passower Zug. Da mein Vater aber in dem Stralsunder Zug saß, konnte er aus der DDR fliehen und alle anderen Familienmitglieder gingen dann auch nach Westdeutschland. Nur ich blieb bis 1959 in Passow zog dann mit meiner Familie nach Neuenhagen.



Gedanken eines Jugendlichen in Deutschland im Jahr 2000
Aufgeschrieben von Bärbel Würfel

Ich bin nicht faul und träge, wenn es nur Arbeit für mich gäbe.

Herr Bundeskanzler, ich frage an,
was macht man in diesem Staat mit mir kleinem Mann ?
Wovon soll ich junger Mensch denn leben,
wenn mir die Arbeitgeber keine Kohle geben.

Ich bin nicht faul und träge, wenn es nur Arbeit für mich gäbe.

Das Arbeitslosengeld ist bald zu Ende,
leg ich mein Schicksal jetzt in Gottes Hände ?
Oder zieh ich mir eine Dröhnung rein,
mir fällt zu meinem Leben nichts mehr ein.

Ich bin nicht faul und träge, wenn es nur Arbeit für mich gäbe.

Soll ich ganz schnell ne Bank mal überfallen
und hoffen, dass mich dann die Bullen krallen.
Im Knast, da ist es warm und trocken,
da werde ich dann ne Weile hocken.

Ich bin nicht faul und träge, wenn es nur Arbeit für mich gäbe.


Kleiner Mann was nun, was soll ich bloß tun?

Ich hab gearbeitet Tag für Tag,
weil ich meine Arbeit gerne mag.
Doch am Zahltag welch ein Graus,
blieb auf meinem Konto die Kohle aus.

Kleiner Mann was nun, was soll ich bloß tun?

Ich brauch die Kohle für Wohnung, Strom und Gas,
für Essen, Familie, Auto und für bisschen Spaß.
Hallo Deutschland, sag mir bloß,
wie werd ich meine Schulden los?

Kleiner Mann was nun, was soll ich bloß tun?

Nur dem, der Arbeitslosengeld kassiert,
dem ist ein beschissenes Leben garantiert.
Die Zahlung dort, die läuft perfekt,
damit man dann die Pflichtausgaben deckt.

Kleiner Mann was nun, was soll ich bloß tun?

Damit nicht so viele Menschen die DDR verlassen,
wurde 1961 eine Mauer gebaut, das konnte man kaum fassen.
Und nun, 40 Jahre danach - ich kann´s nicht verstehen,
zahlt man mir 5 TDM, damit ich aus den Osten soll gehen.

Kleiner Mann was nun, was soll ich bloß tun?

Oh Mutter, was hast du gemacht, als du mich zur Welt gebracht.

Was fang ich nur mit meinem jungen Leben an,
wenn meine Hand mich nicht ernähren kann.
Ich bin als Arbeitsloser nicht wirklich faul,
doch ohne Futter zieht kein Ackergaul.

Oh Mutter was hat du gemacht, als du mich zur Welt gebracht.

Wovon soll ich mich denn ernähren,
wenn die Arbeitgeber mir den Lohn verwehren.
Wo ist denn dieser Staat sozial,
wenn das bisschen Leben wird zur Qual ?

Oh Mutter was hat du gemacht, als du mich zur Welt gebracht.

Regierung, Banken und Versicherung,
die bauen Paläste voller Prunk.
Doch ich, ich suche einen Brückenbogen,
da muss ich sicher sehr bald wohnen.

Oh Mutter was hat du nur gemacht, als du mich auf diese Welt gebracht.

Von mir, das hab ich mir geschworen,
wird kein Kind in diese Welt geboren.
Wen wundert es in diesem Staat,
wenn jetzt gedeihen kann die braune Saat.

Oh Mutter, WARUM Mutter hast du das gemacht und mich auf diese Welt gebracht.




Flugzeug und Besatzung des amerikanischen Bombers identifiziert


Recherchiert von Frank Millert, Weißwasser

Am strahlend blauen Sommerhimmel des 21.6.1944 konnten viele Menschen aus Passow,
Zichow und weiterer Umgebung den Absturz eines feindlichen Bombers erleben.
Dieser Absturz in den Randow- Wiesen warf viele Fragen auf und weckte das Interesse, mehr über die Geschehnisse des 21. Juni 1944,
der Besatzung und dessen Verbleib zu erfahren.

Am 21. Juni 1944 setzte die 8. US Army Air Force 1064 Bomber, davon 473 B- 17
“Flying Fortress” der 1. Bomberdivision, 315 B-24 “Liberator” der 2. Bomberdivision
und 194 B17 „Flying Fortress“ der 3. Bomberdivision, gegen Ziele in Deutschland ein.
Eines dieser Ziele waren Industrieanlagen in der damaligen Reichshauptstadt Berlin. Von den
eingesetzten Bombern gingen 25 B-17 und 19 B- 24 durch deutsche Jagdflugzeuge und Flak verloren.
Jeder dieser schweren viermotorigen Bomber war mit 9 bis 10 Mann besetzt.
Auf deutscher Seite starben 24 Flugzeugführer, 21 wurden verwundet.
Die Flugroute der Bomber zum Zielgebiet führte nach dem Start in England über die Nordsee
zur Halbinsel Jütland (Dänemark), weiter über Lübeck, Neubrandenburg nach Pasewalk. Von dort in Richtung
Süden bis zum „Initial Point“ östlich von Berlin. Nach dem Abwurf der Bomben flogen die Verbände in
nordwestliche Richtung Lübeck und entlang der Anflugroute zurück über die Nordsee nach England.

Auf dem Flug zum Zielgebiet trafen die Bomber im Raum Waren/ Müritz- Neubrandenburg-Pasewalk auf die
deutsche Luftverteidigung. Da ein Angriff auf Pölitz vermutet wurde, wird das in Königsberg/ Neumark
stationierte Zerstörergeschwader 26 und das in Jüterbog stationierte Jagdgeschwader 300 eingesetzt, um
über Mecklenburg den nach Osten fliegenden Bomberverband abzufangen. Das ZG 26 erzielte hierbei 5 Abschüsse
und 2 Herausschüsse aus dem Bomberstrom. Unteroffizier Bernhard von der 7. Staffel/ JG 300 erzielte gegen
10:00 Uhr im Raum Prenzlau den Abschuss einer B-17 in 1300m Höhe. Nach Aussagen zahlreicher Augenzeugen handelte
es sich dabei um den Bomber, der in den Wiesen bei Zichow abstürzte.

Durch freundliche Unterstützung von Herrn Stein, AGRAR Handels- und Verwaltungs- GmbH & Co. KG in Passow, konnte
ein Teil der Motorverkleidung des Bombers ausfindig gemacht werden. Auf der Innenseite der Motorverkleidung befand
sich die Werknummer des Flugzeuges, die dadurch eine Identifizierung des Flugzeuges ermöglichte. Die Nummer wurde dort
aufgebracht, um den Mechanikern die Zugehörigkeit des Teils und die Montage bei Wartungs- und Reparaturarbeiten zu erleichtern.

Dieser Fund war der Durchbruch einer fünfjährigen intensiven Nachforschung zur Ermittlung der Namen der Besatzungsmitglieder
und deren Schicksal. Pilot der B- 17 G 42-31980 war der damals 21- jährige 1st Lt. Roger Lewis Dussault aus Little Falls, New York.
1st Lt. Roger L. Dussault wurde am 15. Mai 1944 mit seiner Besatzung in die 532. Staffel der
381. Bombergruppe(H) versetzt. Ihren ersten Einsatz flog die Besatzung am 28. Mai 1944 gegen Ziele bei Leipzig.
Am 21. Juni 1944 flogen sie ihren 13. Einsatz, als sie im Raum Waren- Neubrandenburg gegen 09:35 Uhr von deutschen
zweimotorigen Jagdflugzeugen des ZG 26 angegriffen wurden. Ihr Flugzeug wurde dabei so stark beschädigt, dass es an
Geschwindigkeit und Höhe verlor und nicht mehr in der Formation verbleiben konnte. Zwei der Flieger erlitten lebensgefährliche
Verwundungen. Kurze Zeit später gab der Pilot das Flugzeug auf und die neunköpfige Besatzung sprang mit dem Fallschirm ab.
Dussault geriet in der Nähe von Schönhausen in Kriegsgefangenschaft. Ebenso erging es sechs weiteren
Besatzungsmitgliedern, die in der Nähe von Strasburg aufgegriffen wurden. Die zwei verletzten Besatzungsmitglieder,
Sergeant Elmer C. Meier und Sergeant Howard L. Corum,starben beim Absprung oder unmittelbar danach. Sie wurden einen
Tag später in Luckow und Lübbenow auf dem örtlichen Friedhof beigesetzt. Nach dem Krieg wurden die Gefallenen exhumiert
und in die Heimat überführt.

Das führerlos gewordene Flugzeug flog weiter und wurde über Prenzlau durch eine Messerschmidt Me109, dessen
Flugzeugführer Uffz. Bernhard war, angegriffen. Flugschüler auf dem Prenzlauer Fliegerhorst beobachteten,
wie die Me109 den Bomber durch Tragflächenberühren vom Kurs abbringen wollte. Als dieses nicht gelang eröffnete
der deutsche Flieger das Feuer aus seiner Bordwaffe, woraufhin der Bomber mit seiner vollen Bombenladung bei Zichow abstürzte.




Jerry Dussault schickte dieses Foto von seinem Vater welches im Sommer 2002 bei einer
Flugveranstaltung in den USA aufgenommen wurde. Im Hintergrund eine B-17 „Flying Fortress“



B-17G Flying Fortress der 381st. Bomb Group VP 533.Staffel


Mir liegt auch Auszug aus dem KU Bericht und ein Fernschreiben zu Angaben über die Erbeutung eines Feindflugzeuges vor.
Ich bedanke mich bei allen Zeitzeugen und denen die mich bei meiner Suche unterstützten.
Besonderen Dank gilt auch Herrn Stein von der AGRAR Handels- und Verwaltungs- GmbH & Co. KG in Passow.





Reiner Millert mit dem Teil der Motorverkleidung A/C 42-31980